eve&rave Münster e.V.
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Kava

(Piper methysticum)

 

Chemische Bezeichnung der sechs Hauptwirkstoffe (IUPAC):

1. (6R)-4-Methoxy-6-[(E)-2-phenylvinyl]-5,6-dihydro-2H-pyran-2-on

2. 4-Methoxy-6-(2-phenylethyl)-5,6-dihydro-2H-pyran-2-on

3. (6R)-6-[(E)-2-(1,3-Benzodioxol-5-yl)vinyl]-4-methoxy-5,6-dihydro-2H-pyran-2-on

4. 6-[2-(1,3-Benzodioxol-5-yl)ethyl]-4-methoxy-5,6-dihydro-2H-pyran-2-on

5. 4-Methoxy-6-[(E)-2-(4-methoxyphenyl)vinyl]-2H-pyran-2-on

6. 4-Methoxy-6-[(E)-2-phenylvinyl]-2H-pyran-2-on

 

Andere Bezeichnungen:

1. (+)-Kavain, (R)-Kavain, D-Kavain (auch Kawain), 4-Methoxy-6-(β-phenylvinyl)-

    5,6-dihydro-α-pyron, (...)

2. Dihydrokavain, Dihydrokawain, (...)

3. Methysticin, 4-Methoxy-6-[b-(3',4'-methylenedioxyphenyl)vinyl]-5,6-dihydro-α- py-

    ron, (...)

4. Dihydromethysticin, 7,8-Dihydromethysticin, (...)

5. Yangonin, 6-(p-Methoxystyryl)-4-methoxy-α-pyron, (...)

6. Desmethoxyangonin, 5,6-Dehydrokavain, (...)

 

Handelsnamen:

Medikamente: Antares®, Laitan®, Kava-ratiopharm®, Kavatino®, Kavosporal forte®,

                        Neuronika®, (...)

Erfrischungsgetränke: Bula® (USA), Lava Cola® (u.a. in Vanuatu), Rzo® (Hawaii),

                                    (...)

 

Vorkommen der Wirkstoffe in der Natur:

Vermutlich nur Kava (Piper methysticum) und dessen Unterarten.

 

Szenetypische Bezeichnungen:

traditionell: Yaqona oder Yangona (Fidschi), 'Awa (Hawaii), Sakau (Pohnpei), 'Ava

                  (Samoa), Kava oder Kava-kava (Tonga und marquesische Sprachen),

                  (...)

szenetypisch: Kava, Kava-Kava, Kawa-Kawa, (...)

 

Kava (Piper methysticum, auch Kava-Kava, Kawa-Kawa, Po- lynesischer Pfeffer oder Rauschpfeffer genannt) zählt zur Fa- milie der Pfeffergewächse (Piperaceae) und stammt ur- sprünglich aus dem pazifischen Raum (vermutlich Fidschi, Neue Hebriden, andere Inseln des Südpazifiks oder Neugui- nea).

Kava ist mit dem Schwarzen Pfeffer (Piper nigrum) verwandt und ähnelt diesem sowohl im Aussehen als auch im Geschmack. Der immergrüne Strauch erreicht Wuchshöhen von ca. 2 – 4 m und besitzt herzförmige bis zu ca. 20 cm lange Blätter. Der stark verzweigte und sehr saftreiche Wurzelstock ist ca. 2 – 10 kg schwer. Obwohl die Pflanze bisweilen wurmförmige Blüten bildet, sind diese steril. Kava vermehrt sich vegetativ (über Rhizome). Es existieren diverse Unterar- ten, die sich auch durch die Konzentration ihrer Inhaltsstoffe unterscheiden.

Der Wurzelstock enthält – abhängig vom Standort und der Unterart – sechs psycho- aktive Kavapyrone (Kavain, Dihydrokavain, Methysticin, Dihydromethysticin, Yango- nin und Desmethoxyangonin) in einer Konzentration von ca. 3 – 20 %. Die sichtba- ren Pflanzenteile enthalten zusätzlich u.a. die Piperidin-Alkaloide Pipermethystin (1 – 2,4 % in den Blättern und 0,2 – 0,8 % in der Rinde), 3a,4a-Epoxy-5b-Pipermethy- stin (nur in Piper methysticum cv. Isa) und Awain (0,1 – 2,6 % in geschlossenen Blättern), welche möglicherweise Leberschäden verursachen können.

Eine Zeit lang bestand der Verdacht, daß Kava-Produkte hepatotoxisch (leberschä- digend) wirken könnten. Daher waren Kava-Produkte vom 14.06.2002 bis 25.02. 2015 in Deutschland als Medikamente nicht mehr zugelassen. Mittlerweile scheint dies widerlegt, da sich herausstellte, daß Leberschädigungen im pazifischen Raum so gut wie unbekannt und überwiegend nur im deutschsprachigen Raum aufgetre- ten sind. Die mögliche Erklärung hierfür liegt vermutlich in der Verwendung von syn- thetischem Kavain, welches bei der Herstellung als Racemat [(+)-Kavain und (-)-Ka- vain bzw. D- und L-Kavain] entsteht. Natürlich kommt nur das (+)-Kavain vor. Im Gegensatz zu diesem wird das (-)-Kavain zu gesundheitsschädlichen para-Hydroxy-Verbindungen abgebaut.

Traditionell wird aus dem Wurzelstock ein Extrakt (u.a. auch Kava-Kava genannt) hergestellt, das in weiten Teilen des pazifischen Raumes (Polynesien: Hawaii, Tahi- tiTonga und West-Samoa; Melanesien: Vanuatu und Fidschi; Mikronesien: Guam, Nauru und PohnpeiAustralien) meist ausschließlich von Männern als Zeremonial- getränk bei religiösen, rituellen und kulturellen Anlässen konsumiert wird. In der tra- ditionellen Medizin wird eine andere Kava-Art u.a. gegen Asthma, Fieber, und diver- se Schmerzen eingesetzt. Auf Hawaii wird Kava auch Kindern als Beruhigungs- und Schlafmittel verabreicht.

Heutzutage wird Kava auch in vielen westlichen Kulturen als Medizin oder Genuß- mittel konsumiert und in Form von Wurzelextrakt oder -pulver (getrocknete, gemah- lene Wurzel) im Handel angeboten. In einigen Ländern existieren auch Kava-Bars, in denen kavahaltige Getränke z.B. auf Wasser- oder Milchbasis angeboten werden. Aber auch kavahaltige Erfrischungsgetränke sind in einigen Staaten erhältlich.

 

Obwohl Kavain auch vollsynthetisch hergestellt werden kann (und in synthetischen Kava-Produkten den Hauptwirkstoff darstellt), beruht jedoch die Wirkung von Kava auf dem Zusammenspiel aller sechs Kavapyrone, die jeweils unterschiedlich wirken. Kava ist eines der bekanntesten natürlichen Aphrodisiaka, das beruhigend, ent- spannend, muskelentspannend, krampflindernd/-lösend, leicht analgetisch, anxioly- tisch und leicht euphorisierend/antidepressiv wirkt. In der Medizin wird es zur Be- handlung von Angst- und Spannungszuständen, seelischen Befindlichkeitsstörun- gen und Sozialphobie eingesetzt.

 

Kava unterliegt nach einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Nordrhein-Westfa- len vom 25.02.2015 weiterhin dem Arzneimittelgesetz (AMG). Es ist verschrei- bungspflichtig und darf nicht frei gehandelt werden.

 

Merkmale:

- Wurzel oder daraus hergestelltes Pulver mit einem scharfen, seifigen Geschmack.

  Nach der oralen Aufnahme tritt für ca. 10 Minuten ein Taubheitsgefühl an den Lip-

  pen, im Mund und auf der Zunge auf.

 

 

Gebrauch:

- Traditionell wird Kava-Kava hergestellt, in dem man die Wurzel zu einem Brei zer-

  kaut und in eine Schüssel spuckt. Der Brei wird dann verdünnt mit Wasser getrun-

  ken. Eine etwas hygienischere Variante ist es ca. 15 – 20 g der frischen Kavawur-

  zel zu schälen, in Stücke zu schneiden oder zu zerreiben und diese einen Tag in

  kaltem Wasser ziehen zu lassen. Anschließend wird die Flüssigkeit gesiebt, um die

  Wurzelstücke zu entfernen, und die verbliebene Flüssigkeit getrunken.

- Kavapulver wird in Wasser, Milch oder ähnliches gemischt und dann getrunken.

 

 

Wirkung:

- Kava wirkt beruhigend, entspannend, muskelentspannend, krampflindernd/-lö-

  send, leicht analgetisch, anxiolytisch, leicht euphorisierend/antidepressiv und aph-

  rodisierend. Die Gedanken sind klar und man wird gesprächiger. Außerdem ver-

  bessert es die geistige Leistungsfähigkeit (Aufmerksamkeit, Konzentration und Er-

  innerungsfähigkeit) und hierdurch auch die Reaktions- und sportliche Leistungsfä-

  higkeit.

- Zur Verbesserung des Allgemeinbefindens muß Kava über mindestens 10 Tage

  regelmäßig eingenommen werden.

- Bei depressiven Personen wirkt es stimmungsaufhellend.

- Geringe Dosen wirken anregend und entspannend.

- Mittlere Dosen wirken euphorisierend, entspannend und aphrodisierend. Zudem

  steigert es die mentale Leistungsfähigkeit und den Appetit.

- Hohe Dosen wirken einschläfernd.

- Nach dem Konsum treten für ca. 10 Minuten Taubheitsgefühle an den Lippen, im

  Mund und auf der Zunge auf. Aufgrund des scharfen seifigen Geschmacks können

  Übelkeit und andere Magen-/Darmbeschwerden auftreten. Zudem sind Sehstörun-

  gen, eine leichte Gelbfärbung der Haut sowie leichte allergische Hautreaktionen

  (z.B. Hautrötungen, Juckreiz und Schuppen) möglich. Die Reaktionsfähigkeit kann

  vorrübergehend eingeschränkt sein.

- Nach der Wirkung treten keine negativen Effekte (z.B. Kater) auf. Man schläft in

  der Regel erholsam.

 

 

Gefahren:

- Es sind einige Todesfälle durch Leberversagen dokumentiert, die nachweislich auf

  den Konsum von kavahaltigen Medikamenten zurückzuführen sind. Natürliches

  Kava scheint bei gesunden Personen und moderatem Gebrauch jedoch keine Le-

  berschäden zu verursachen. Vermutlich sind die Todesfälle auf synthetisches Ka-

  vain zurückzuführen, das in den Präparaten in Form eines Racemats vorlag.

- Nach hochdosiertem, langanhaltendem Konsum oder in Verbindung mit Vorschädi-

  gungen der Leber könnten Unterernährung, Gewichtsverlust, Leberschäden, Nie-

  renschäden, Ausschlag, Pulmonale Hypertonie, Makrozytose, Lymphopenie und

  Thrombozytopenie auftreten.

- Eine psychische Abhängigkeit scheint nur selten und eine körperliche Abhängig-

  keit gar nicht aufzutreten. Das Absetzen von Kava verursacht keine Entzugser-

  scheinungen.

- Nach dem Konsum kann das Reaktionsvermögen beeinträchtigt sein. Daher ist bei

  potentiell gefährlicher Arbeit und im Straßenverkehr Vorsicht geboten!

- Das Führen eines Fahrzeuges unter dem Einfluß gleich welchem Rauschmittels ist

  grundsätzlich gefährlich und kann – auch wenn dies nicht dem BtMG unterliegt –

  bei Auffälligkeiten im Fahrverhalten oder anderen Ausfallerscheinungen nach

  § 316 StGB (Trunkenheit im Verkehr) mit dem Entzug der Fahrerlaubnis bestraft

  werden.

 

 

Safer Use:

- Da nicht gänzlich auszuschließen ist, daß Kava die Leber bei langanhaltendem

  Gebrauch doch schädigen kann, ist vom langanhaltenden und/oder hochdosierten

  Konsum abzuraten!

- Personen mit Erkrankungen der Leber oder Lebervorschädigungen sollten auf den

  Konsum von Kava verzichten.

- Während der Schwangerschaft und Stillzeit sollte auf den Konsum von Kava ver-

  zichtet werden.

- Vermeide Mischkonsum:

  - Beim Konsum von Kava in Kombination mit Alkohol, Tranquilizern wie z.B. Ben-

    zodiazepinen und anderen Psychopharmaka können sich die Wirkungen wech-

    selseitig verstärken.

  - Bei der Einnahme von Betablockern, Antidepressiva und Migränemitteln sollte

    generell auf den Konsum von Kava verzichtet werden.

- Im Notfall den europaweit gültigen Notruf (Nummer: 112) anrufen. Schildere am

  Telefon nur die Symptome und kläre den Rettungsdienst oder Notarzt vor Ort über

  die konsumierten Substanzen auf. Sie unterliegen der Schweigepflicht!

  Informationen zur Ersten Hilfe bei Drogennotfällen findest Du hier.

 

 

Letzte Änderungen: 26.10.2015

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