eve&rave Münster e.V.
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Kokain (& Crack)

 

Chemische Bezeichnung (IUPAC):

Methyl(1R,2R,3S,5S)-3-(benzoyloxy)-8-methyl-8-azabicyclo[3.2.1]octan-2-carboxylat

 

Andere Bezeichnungen:

Cocain, l-Kokain, Ecgonylbenzoat, Methyl(3β-(benzoyloxy)tropan-2β-carboxylat), (...)

für d-Kokain: Methyl(3β-(benzoyloxy)tropan-2α-carboxylat)

 

Handelsnamen:

Coca-Cola® (1886 bis 1906), (...)

 

Vorkommen des Wirkstoffs in der Natur:

Die Coca-Sträucher Erythroxylum coca var. coca, Erythroxylum coca var. ipaduErythroxylum novogratense var. novogratense, Erythroxylum novogratense var. truxillense

 

Szenetypische Bezeichnungen:

für Kokainsulfat (in Südamerika): Basa, Basuco, Oxi (mit Calciumoxid), Paco, Pasta,

                                                     Paste, Pitillo,  (...)

für Kokainbase: Freebase, (...)

für Kokainhydrochlorid: Coca, Coke, Cola, Charlie, Koks, Marschierpulver, Persil,

                                      Schnee, Schönes, Schubi, Weißes Gold, (...)

für Kokainhydrogencarbonat: Crack, Rocks, Stein, (...)

 

Unter den insgesamt ca. 250 Arten der Gattung Erythroxylum sind nur zwei in Süd- amerika beheimatete Arten des Coca-Strauchs mit jeweils zwei Unterarten für die Produktion (Bolivien, Kolumbien und Peru) der antriebssteigernden und euphori-sierenden Droge Kokain von Relevanz: das Amazonas-Coca (Erythroxylum coca var. ipadu), das Bolivianische oder Huanuco-Coca (Erythroxylum coca var. coca), das Kolumbianische Coca (Erythroxylum novogratense var. novogratense) und das Trujillo-Coca (Erythroxylum novogratense var. truxillense). Erythroxylum coca ent- hält z.B. ca. 0,5 – 1 % wirksame Alkaloide, wobei das Kokain den größten Anteil hat. Außerdem sind noch die Alkaloide Benzoylecgonin, Cinnamylcocain, Tropacain und Truxilline enthalten.

Nachdem die ersten Coca-Sträucher – wohl wissend um ihre belebende Wirkung – 1750 aus Südamerika nach Europa gebracht wurden, sollte es noch über 100 Jahre dauern, bis deren aktive Inhaltsstoffe erstmals (zwischen 1855 und 1860) isoliert wurden. Ab 1879 wurde Kokain dann zur Behandlung von Morphinabhängigkeit und ab ca. 1884 auch als lokales Anästhetikum verwendet. Der Gebrauch von Kokain war zu dieser Zeit legal und weit verbreitet. So enthielt z.B. die erste Rezeptur von Coca-Cola bis 1906 einen Extrakt aus Coca-Blättern (daher der Name des Ge- tränks). Ein Liter Coca-Cola enthielt zu dieser Zeit ca. 250 Milligramm Kokain. Aber auch in vielen anderen frei verkäuflichen Produkten des täglichen Lebens war Ko- kain zu finden; so z.B. in Bonbons für Kinder zur Behandlung von Zahnschmerzen oder in Wein. So verwundert es auch nicht, daß viele einflußreiche Männer und Frauen dieser Zeit, die die jüngere Geschichte geprägt haben, aus heutiger Sicht kokainabhängig waren.

Kokain ist in verschiedenen Formen erhältlich; als Kokainsulfat, Kokainbase, Koka- inhydrochlorid und Kokainhydrogencarbonat. Kokainsulfat ("Kokainpaste" oder "Pa- ste") entsteht als Zwischenprodukt bei der Herstellung des Kokainhydrochlorids, wenn die frischen Coca-Blätter mit Wasser und Schwefelsäure vermischt werden. Dieses sehr viel günstigere Zwischenprodukt wird in Südamerika häufig mit Tabak vermengt geraucht oder mit Calciumoxid weiterverarbeitet. Ein weiteres Zwischen- produkt bei Gewinnung von Kokainhydrochlorid ist die Kokainbase ("Freebase"), die im Gegensatz zum Hydrochlorid wasserunlöslich ist. Sie kann weder geschnupft oder geschluckt noch injiziert werden, eignet sich aber im Gegensatz zum Hydro- chlorid wesentlich besser zum Rauchen, da sich das Hydrochlorid schon bei Tem- peraturen von ca. 195 °C zersetzt. Die auf dem Schwarzmarkt erhältliche Kokainba- se wird jedoch meistens durch das Aufkochen von Kokainhydrochlorid mit Ammoni- ak hergestellt. Das Kokainhydrochlorid ist die am stärksten verbreitete Variante, die normalerweise auch als Kokain oder "Koks" bezeichnet wird. Es entsteht bei der Weiterverarbeitung der Kokainbase mit Salzsäure, wodurch ein weißes Salz ent- steht. Es ist gut wasserlöslich und eignet sich daher zum Schnupfen, Schlucken oder Injizieren, dafür aber weniger gut zum Rauchen. Aufgrund seiner weißen pul- verigen Form kann es leicht "gestreckt" werden. Hierbei kommen sowohl harmlose Substanzen wie z.B. Lactose (häufig), Ascorbinsäure, Fructose, Glucose, Inosit, Mannit, Saccharose oder Stärke als auch pharmakologisch wirksame Substanzen, welche häufig die durch das Strecken entstandenen Qualitätsmängel überdecken sollen, zur Anwendung. So wird z.B. häufig das Lokalanästhetikum Lidocain beige-mischt, um die lokal betäubende Wirkung des Kokains zu imitieren. Des weiteren wurden als Beimischungen auch u.a. Acetylsalicylsäure, Amphetamin (Speed), Arti- cain, Atropin, Benzocain, Coffein, Diltiazem, Ephedrin, Heroin, Hydroxyzin, Ibupro- fen, Ketamin, Levamisol, MDMA (Ecstasy), Methamphetamin (Crystal), Paraceta- mol, Phenacetin, Phenmetrazin, Pholedrin, Procain und Tetracain gefunden. Zum Rauchen eignet sich neben der Kokainbase noch das Kokainhydrogencarbonat ("Crack"), welches beim Aufkochen von Kokainhydrochlorid mit Natriumhydrogen-carbonat ("Natron") entsteht. Das hierbei entstehende Gemisch aus Kokainhydro-gencarbonat und Natriumchlorid (Kochsalz), ist körnig ("Rocks" genannt) und ver- dampft als freie Base bei Temperaturen von ca. 100 °C mit einem knackenden Ge- räusch, was vermutlich zu dem Namen Crack (engl.: knacken, krachen, knistern) geführt hat. Crack variiert in seiner Farbe von weiß über gelb bis rosa, wird kleinen Pfeifen (Crack-Pfeifen) geraucht und ist die am schnellsten und stärksten psychisch abhängig machende Variante des Kokains. Seit der Verbreitung von Crack hat die Kokainbase an Bedeutung verloren, da deren Herstellung aufwendiger ist.

Heutzutage wird Kokainhydrochlorid immer noch als Lokalanästhetikum z.B. in der Augenheilkunde verwendet, da es im Gegensatz zu vielen anderen Mitteln dieser Art nicht gefäßerweiternd, sondern gefäßverengend (also blutungshemmend) wirkt.

 

Alle Varianten des Kokains unterliegen dem BtMG. Kokain [Methyl(3β-(benzoyl-oxy)tropan-2β-carboxylat)] unterliegt dem BtMG (Anlage III: Verkehrsfähige und verschreibungsfähige Betäubungsmittel). Das d-Kokain [Methyl(3β-(benzoyloxy)tro-pan-2α-carboxylat)] unterliegt dem BtMG (Anlage II: Verkehrsfähige, aber nicht verschreibungsfähige Betäubungsmittel). Herstellung, Einfuhr, Erwerb, Besitz und Weitergabe/ Handel sind strafbar!

 


Merkmale:
- Kokain ist ein weißliches Pulver, das auch zu "Steinen" gepreßt sein kann.
- Kokain kann sehr unterschiedliche Wirkstoffkonzentrationen (meist zwischen 30

  und 60 %) aufweisen.
- Ein Gramm kostet ca. 60,- €.

 


Gebrauch:
- Kokain wird meist geschnupft oder geraucht, selten intravenös (i.v.) gespritzt.

- Crack und Freebase können nur geraucht werden.

 


Wirkung:
- Wenige Minuten nach Einnahme (beim Rauchen wenige Sekunden) stellen sich

  Bewegungsdrang, Glücksempfinden und gesteigertes Selbstwertgefühl ein.

- Du bist hellwach, jede Schläfrigkeit verschwindet und Du fühlst Dich hoch konzen-

  triert.

- Hunger, Durst und Schmerzempfinden werden unterdrückt.

- Das sexuelle Verlangen kann erheblich gesteigert sein.

- Durch die örtlich betäubende Wirkung des Kokains tritt ein Taubheitsgefühl im

  Mund und Rachenraum auf.
- Atmung und Herzfrequenz beschleunigen sich und der Blutdruck steigt.
- Die erwünschte Wirkung hält nur kurz an.

 


Gefahren:

- Eine zu hohe Dosis kann lebensgefährliche Folgen haben!

- Die Injektion von mit Lidocain oder Tetracain gestrecktem Kokain kann lebensbe-

  drohlich sein.

- Mit Levamisol gestrecktes Kokain kann bei Menschen, die Träger des humanen

  Leukozytenantigens HLA-B27 sind, eine häufig tödlich verlaufende Agranulozytose

  auslösen.

- Extremes High und schnelles Runterkommen (und damit der Wunsch nach wie-

  derholtem Konsum) liegen nahe beieinander.

- Die Katerwirkung äußert sich in Abgeschlagenheit, Reizbarkeit und Antriebslosig-

  keit.

- Häufiges Schnupfen kann zu erheblichen Schäden an der Nasenschleimhaut (und

  des Rachenraumes) führen und diese im schlimmsten Fall gänzlich zerstören. Die

  Schädigungen werden hierbei in erster Linie durch die lange Verweildauer der

  Substanz auf dem empfindlichen Gewebe verursacht.

- Das Rauchen von z.B. Crack oder Freebase kann die Lunge schädigen.

- Es kann zu Krämpfen, Schock und Herzrhythmusstörungen kommen.

- Während und nach dem Konsum können Stimmungsschwankungen, Aggressions-

  ausbrüche, Angstzustände und Halluzinationen auftreten.

- Der Konsum von Kokain birgt ein hohes physisches und psychisches Abhängig-

  keitsrisiko. Rauchbare Kokainderivate wie Crack und die Kokainbase (Freebase)

  führen noch eher zu körperlicher und psychischer Abhängigkeit.

- Längerer regelmäßiger Gebrauch kann zu Kokainpsychosen, Paranoia, Depres-

  sionen und einem dauerhaft gestörten sozialen und sexuellen Verhalten führen.

- Das Führen eines Fahrzeugs unter dem Einfluß von Kokain ist gefährlich und wird

  mit dem Entzug der Fahrerlaubnis bestraft.

 


Safer Use:
- Zuerst eine geringe Menge auf die Wirkung antesten. Eine Überdosis ist nur

  schwer behandelbar!
- Schnupfen ist die risikoärmste Konsumform. Das Teilen von Ziehröhrchen birgt

  jedoch die Gefahr gefährliche Krankheiten (z.B. Hepatitis) zu übertragen.
- Während der Wirkung gelegentlich Ruhepausen und Flüssigkeitszufuhr gewähr-

  leisten.
- Vermeide Mischkonsum:

  - Nicotin in Verbindung mit Kokain kann zu einer starken Erhöhung der Herzfre-

    quenz und des Blutdrucks führen.

  - Nicotin in Verbindung mit Crack oder Freebase kann zu einer starken Gefäßver-

    engung führen, was einen Schlaganfall auslösen kann.

  - In Kombination mit Cannabis kann sich die Wirkung des Kokains intensivieren

    und verlängern. Zudem steigen Herzfrequenz und Blutdruck noch stärker.

  - BetablockerMAO-Hemmer, Sympathomimetika und trizyklische Antidepressiva

    können in Verbindung mit Kokain u.a. zu einem erheblichen Anstieg des Blut-

    drucks führen.

- Kokaingebrauch sollte NIE zur Regelmäßigkeit werden!
- Nach dem Konsum Mineral-, Vitamin- und  Schlafmangel ausgleichen.

- Im Notfall den europaweit gültigen Notruf (Nummer: 112) anrufen. Schildere am

  Telefon nur die Symptome und kläre den Rettungsdienst oder Notarzt vor Ort über

  die konsumierten Substanzen auf. Sie unterliegen der Schweigepflicht!

  Informationen zur Ersten Hilfe bei Drogennotfällen findest Du hier.

 

 

Letzte Änderungen: 09.02.2017

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Artikel und Studien zu Kokain

 

Kokain und Crack (Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht)

 

Kokain (Wikipedia)

 

Crack (Droge) (Wikipedia)

 

Cocastrauch (Wikipedia)

 

 

Der Rhein und seine Kokser (Kölnische Rundschau, 22.11.2006)
Die Anwohner des Rheins und seiner Zuflüsse bis zur Stadt Köln schnupfen nach einer Wasseranalyse rund neun Tonnen Kokain im Jahr. Weltweiter Spitzenreiter beim Kokainkonsum ist die US-Metropole New York.
 

Flusswasser-Studie: Deutsche koksen ungeahnte Mengen (Spiegel Online, 09.11.2005)

Erstmals haben Forscher das Wasser deutscher Flüsse in einer umfangreichen Studie auf Kokainspuren untersucht. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Deutschen weit mehr Kokain konsumieren als bisher vermutet - allein am Rhein jährlich im Wert von 1,6 Milliarden Euro.

 

Drogengeld: Fast alle Euro-Noten tragen Kokainspuren (Spiegel Online, 24.06. 2003)

Der Kokainkonsum ist, wenn man einer Nürnberger Analyse von 700 Geldscheinen Glauben schenkt, weit verbreitet: Auf neun von zehn deutschen Euro-Noten fanden die Experten Spuren der Droge.

 

 

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