eve&rave Münster e.V.
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Tabak (& Nicotin)

(Nicotiana tabacum & Nicotiana rustica)

 

Chemische Bezeichnung (IUPAC):

3-[(2S)-1-Methyl-2-pyrrolidinyl]pyridin

 

Andere Bezeichnungen:

Nicotin, Nikotin, L-(-)-Nicotin, (-)-Nicotin, (S)-(-)-Nicotin, (S)-Nicotin, 3-[(2S)-1-Methylpyrrolidin-2-yl]pyridin, β-Pyridyl-α-N-methylpyrrolidin, (...)

 

Handelsnamen:

Alle Tabakerzeugnisse sowie Rauchentwöhnungspräparate wie Nicopatch®, Nico- rette®, Nicotinell®, Nicotrol®, Nikaloz®, Nikofrenon®, NiQuitin®, (...)

 

Vorkommen des Wirkstoffs in der Natur:

Nicotin ist ein Alkaloid der Nachtschattengewächse (Solanaceae). Die höchsten Konzentrationen sind in der Gattung Tabak (Nicotiana) zu finden, die ca. 75 Arten umfaßt.

 

Szenetypische Bezeichnungen:

für das Rauchen: eine durchziehen, paffen (meist verwendet, wenn der Rauch nur

                            im Mund gehalten wird), smoken, (...)

für Zigarette:        Fluppe, Glimmstängel, Kippe, Lungenbrötchen, Sargnagel, Zichte,

                            (...)

 

Die Pflanzengattung der Tabakgewächse (Nicotiana) mit ihren ca. 75 Arten zählt zur Pflanzenfamilie der Nacht-schattengewächse (Solanaceae). Die meisten Arten die- ser Gattung stammen ursprünglich aus Südamerika, ei- nige wenige aber auch aus Nordamerika und Australien. Das physiologisch wirksame Alkaloid dieser Gattung, welches in geringeren Konzentrationen vermutlich aber in allen Nachtschattengewächsen vorkommt, ist das Ni- cotin. Nicotin ist eine wasserlösliche Base, die in den Wurzeln der Pflanzen gebildet und während der Reifung in die Blätter transportiert wird, wo es einen Massenanteil von ca. 0,5 – 7,5 % erreicht. Die biologische Funk- tion des Nicotins ist die Abwehr von Freßfeinden, die über ein Nervensystem mit nicotinischen Acetylcholinrezeptoren verfügen. In einem derartig ausgestatteten Nervensystem wirkt Nicotin als starkes Nervengift. Daher wurde es früher auch als Insektizid eingesetzt.

Die Tabakpflanze ist eine alte Kulturdroge, die von den Ureinwohnern Amerikas seit Jahrhunderten genutzt wird. Erst zu Beginn des 16. Jahrhunderts brachte Christoph Kolumbus die Pflanze aus der "Neuen Welt" mit nach Europa, wo ihre medizini- schen Eigenschaften im Jahre 1560 erstmals von dem Franzosen Jean Nicot be- schrieben wurden. Aus diesem Grund verlieh ihr der französische Botaniker Jac- ques Daléchamps im Jahre 1586 auch den Namen herba nicotiana. Im Jahr 1828 wurde dann auch das wirksame Alkaloid von den deutschen Chemikern Karl Ludwig Reimann und Christian Wilhelm Posselt identifiziert und Jean Nicot zu Ehren Nicotin getauft.

Das Rauchen von Tabak war in Europa zunächst nur in den höheren Gesellschafts-schichten verbreitet, wo er ausschließlich in Pfeifen geraucht wurde. Erst durch die Einführung der Zigarre (später dann auch Zigarette) im 19. Jahrhundert verbreitete sich das Rauchen in großen Teilen der Bevölkerung.

Von wirtschaftlicher Bedeutung sind unter den Tabakgewächsen nur der Bauern-Ta- bak (Nicotiana rustica), der aufgrund seines äußerst hohen Nicotingehalts in der EU jedoch nicht vertrieben werden darf, und der Virginische Tabak (Nicotiana tabacum), der aus einer natürlichen Kreuzung zwischen dem Waldtabak (Nicotiana sylvestris) und Nicotiana tomentosiformis hervorgegangen ist. Der Virginische Tabak wird an- hand seines Geschmacks in drei Gruppen unterteilt, den Virginia-Tabak, den Orient- Tabak und den Burley-Tabak. Der heißluftgetrocknete, großblättrige Virginia-Tabak wurde erstmals im US-Bundesstaat Virginia angebaut. Heutzutage wird er auch in anderen Teilen der Welt kultiviert. Sein Geschmack ist süß und heu- oder strohartig. Der Orient-Tabak ist eine sonnengetrocknete, kleinwüchsige Variante, die auf den kargen, steinigen Böden der Balkanländer, Afrikas, Zentralasiens und in Fernost wächst. Sein Geschmack ist süßlich schwer, schweißig und grasig und dominierte früher den Zigarettengeschmack. Der luftgetrocknete Burley-Tabak erhielt seinen Namen vermutlich von einem Farmer im US-Bundesstaat Ohio. Es ist ein kräftiger, dunkelbrauner Tabak mit einem würzigen, bitteren, erdigen und holzigen Ge- schmack.

Um den frischen Tabak in seine gebrauchsfertige Form zu überführen, werden die Blätter fermentiert, getrocknet und geschnitten. Bei der Herstellung werden teilweise noch Zusatzstoffe (Additive) wie z.B. Aromen (z.B. Kakao, Lakritz oder Zimt), Aro- maverstärker, Zucker, Glycerin, Mineralöl und Lösungsmittel zugesetzt, die u.a. den Feuchtigkeitsgehalt beeinflussen, das Abbrennverhalten und den Geschmack ver- bessern sowie den Hustenreflex unterdrücken sollen. Dieser gebrauchsfertige Ta- bak wird dann direkt in Beuteln oder Dosen verkauft oder u.a. zu Zigaretten, Zigaril- los oder Zigarren weiterverarbeitet. Heutzutage wird Tabak in ca. 120 Länder ange- baut, wobei ca. 85 % der Weltproduktion aus Entwicklungs- und Schwellenländern stammen. Der größte Einzelproduzent ist China, wo ca. 40 % des Rohtabaks her- gestellt werden.

Der beim Rauchen einer Zigarette inhalierte psychoaktive Hauptwirkstoff ist das Ni- cotin, welches binnen weniger Sekunden über die Lunge und Mundschleimhaut ins Blut und von dort ins Gehirn gelangt, wo es für kurze Zeit seine Wirkung entfaltet. Je nach Sorte und Rauchintensität enthält der inhalierte Rauch einer Zigarette hier- von ca. 0,1 – 3 mg. Im Gehirn wirkt Nicotin – wie bei den natürlichen Freßfeinden der Pflanzen auch – an nicotinischen Acetylcholinrezeptoren, was zu einer Aus- schüttung des Neurotransmitters Acetylcholin führt. Nachfolgend wird auch die Aus- schüttung von weiteren Neurotransmittern und Hormonen wie Adrenalin, β-Endor- phin, Dopamin, Serotonin und Vasopressin ausgelöst, welche verschiedene körper- liche und psychische Effekte auslösen. So werden z.B. über die verstärkte Aus- schüttung von Adrenalin der Herzschlag beschleunigt und durch Vasopressin die Blutgefäße verengt, was zu einem erhöhten Blutdruck aber auch zu einer schlech- teren Durchblutung der Haut und Körperglieder führt. Außerdem werden Hunger und Müdigkeit gemindert und die Verdauung angeregt. Psychisch kann Nicotin in zwei verschiedene Richtungen wirken (bivalentes Wirkspektrum). So kann es einer- seits anregend und leistungssteigernd wirken, andererseits aber auch beruhigend und entspannend, wobei die entspannende Wirkung vermutlich primär vom Dopa- min ausgeht, welches im Belohnungssystem (genauer dem mesolimbischen Sys- tem) eine wichtige Rolle spielt. Bezogen auf diese Ausschüttung von Dopamin hat Nicotin einen ähnlichen Effekt wie diverse Amphetamine, Kokain oder Heroin. Die Wirkrichtung des Nicotins wird vermutlich in erster Linie durch die Intensität des Rauchens bestimmt. So wird das Nervensystem in geringen Dosen angeregt, in ho- hen Dosen werden jedoch bestimmte nervöse Prozesse gehemmt. Zudem ist die Wirkung des Nicotins aber auch stark von der Situation und der körperlichen Verfas- sung abhängig, in der es konsumiert wird. Wird Nicotin regelmäßig konsumiert, hat dies einen Einfluß auf die Empfindlichkeit der nicotinischen Acetylcholinrezeptoren, was zu einer Toleranzentwicklung führt, die höhere Dosierungen erfordert, um die gleiche Wirkung zu erreichen. Das hieraus resultierende Suchtpotential von Nicotin ist mit jenem des Heroins vergleichbar.

Beim Rauchen werden aber neben dem Nicotin noch viele weitere (Schätzungen reichen von ca. 4800 – 12.000), teils sehr schädliche Substanzen inhaliert, darunter Stoffe wie Ammoniak, Arsen, Benzol, Cadmium, Chrom, Cyanwasserstoff (Blausäu- re), Formaldehyd, Hydrazin, Kohlenmonoxid, Nickel, Nitrosamine und Teer (Kon- densat). Im Jahr 1950 erschienen erstmals Studien, die eine Verbindung zwischen dem Rauchen und der Entstehung von Lungenkrebs sowie anderen Erkrankungen herstellten. Derzeit gelten mindestens 90 der im Tabakrauch enthaltenen Substan- zen als krebserregend oder erbgutverändernd (Nicotin zählt nicht dazu). Welche und wie viel dieser Substanzen beim Rauchen entstehen, hängt wesentlich von den Verbrennungstemperaturen ab. Daher wird der Rauch auch in zwei Gruppen unter-teilt, den Hauptstromrauch und den Nebenstromrauch. Der Hauptstromrauch ent- steht beim Ziehen an der Zigarette (Zigarre, Pfeife, ...) und wird direkt inhaliert. Durch das Ziehen wird dem verbrennenden Tabak verstärkt Sauerstoff zugeführt, wodurch dieser mit ca. 1000 °C verbrennt. Der Nebenstromrauch entsteht, wenn gerade nicht an der Zigarette gezogen wird. Hierdurch ist die Sauerstoffzufuhr ver- mindert und der Tabak verbrennt nur mit ca. 600 °C. Durch die niedrige Temperatur verbrennt der Tabak weniger vollständig, wodurch vermehrt Schadstoffe wie z.B. Benzol und Kohlenmonoxid entstehen. Kohlenmonoxid ist ein sehr giftiges, ge- ruchsloses Gas, welches den Sauerstoff aus den roten Blutkörperchen verdrängt. Hierdurch leidet der Körper unter einer Sauerstoffunterversorgung, was dieser durch eine Erhöhung des Herzschlags und Blutdrucks zu kompensieren versucht. Trotz dieser Kompensationsmaßnahmen nimmt jedoch die körperliche Leistungs-fähigkeit ab und das Risiko für Herz-/Kreislauferkrankungen steigt.

 

Tabak ist in Deutschland ein legales Genußmittel. Am 01.09.2007 wurde das Min- destalter für die Abgabe von Tabakwaren und das Rauchen in der Öffentlichkeit von 16 auf 18 Jahre angehoben. Außerdem ist seit 2008 das Rauchen in öffentlichen Räumen je nach Bundesland unterschiedlich stark eingeschränkt. Hierbei hat der Freistaat Bayern deutschlandweit die strengsten Reglementierungen. Seit Anfang 2009 müssen außerdem Zigarettenautomaten mit Chipkarten gegen den Zugriff von Jugendlichen unter 18 Jahren gesichert sein.

 

Merkmale:

- Nicotin ist enthalten in:

  - Rauchtabak in Form von z.B. Zigaretten, Zigarillos, Zigarren, Zigarettentabak

    (zum Drehen oder Stopfen), (aromatisierten) Pfeifentabak, Fruchttabak für Was-

    serpfeifen (Shishas)

  - Kautabak

  - Schnupftabak als Pulver

  - Emulsionen (Liquids) für E-Zigaretten

  - Präparaten zur Raucherentwöhnung, wie z.B. Pflastern, Kaugummis, Lutschta-

    bletten, Inhalatoren und Sprays

- Reines Nicotin ist eine wasserlösliche Base und bei Zimmertemperatur eine farb-

  lose, ölige Flüssigkeit. An der Luft verfärbt es sich rasch braun.

 

 

Gebrauch:

- Tabak wird meist geraucht, seltener geschnupft oder gekaut.
- Die Dosierung ist individuell verschieden und von der Konsumform abhängig.

- Eine Zigarette enthält durchschnittlich ca. 12 mg Nicotin. Beim Rauchen werden

  hiervon ca. 0,1 – 3 mg vom Körper aufgenommen.

- Nicotin ist ein starkes Nervengift. Die tödliche Dosis für Erwachsene soll nach älte-

  ren Studien bei ca. 1 mg pro Kilogramm Körpergewicht liegen; nach neueren Stu-

  dien könnte sie aber auch deutlich darüber liegen. Bei Kindern und Jugendlichen

  liegt sie deutlich unter jener für Erwachsene. Da Nicotin jedoch recht schnell ver-

  stoffwechselt wird, sind tödliche Überdosierungen durch Rauchen unmöglich. Wird

  Tabak hingegen (versehentlich) gegessen oder Wasserpfeifenwasser getrunken,

  kann dies lebensgefährlich sein!

 

 

Wirkung:

- Nicotin besitz in gerauchter Form eine recht kurze Anflutgeschwindigkeit. Beim

  Rauchen setzt die Wirkung des Nicotins bereits nach ca. 7 – 20 Sekunden ein,

  hält aber auch nur wenige Minuten an.

- Je nach konsumierter Dosis, der Gewöhnung, der körperlichen und psychischen

  Verfassung sowie der Situation kann Nicotin entweder anregend (stimulierend) und

  leistungssteigernd oder beruhigend und (muskel-)entspannend wirken. In geringen

  Dosen überwiegt die anregende Wirkung, welche sich in Form von Wohlgefühl,

  Wachheit, verbesserter Aufmerksamkeit und Gedächtnisleistung, gesteigerten psy-

  chomotorischen Fähigkeiten, erhöhter Streßtoleranz und verminderten Angstge-

  fühlen äußern kann.

- Kurzzeitig nach dem Konsum (und besonders häufig bei Erstkonsumenten oder

  nach längerer Konsumpause) können Herzrasen, ein Abfall des Blutdrucks,

  Schwindelgefühle, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und eine geringere Kör-

  pertemperatur auftreten.

- Beim regelmäßigen Rauchen steigen Herzfrequenz und Blutdruck.

- Durch die gefäßverengende Wirkung kann es zu Durchblutungsstörungen der

  Haut und Körperglieder kommen, wodurch diese auskühlen und man schneller

  friert.

- Durch die gefäßverengende Wirkung, vor allem aber auch durch die an den roten

  Blutkörperchen stattfindende sauerstoffverdrängende Wirkung des durch den

  Rauch inhalierten Kohlenmonoxids (und Kohlendioxids) wird der Sauerstofftrans-

  port im Körper vermindert. Dies führt akut aber vor allem auf längere Sicht zu Lei-

  stungseinbußen, erhöht die Atemfrequenz und vermindert die Atemtiefe.

- Durch die Ausschüttung von Streßhormonen wird der Blutzuckerspiegel erhöht

  und der Stoffwechsel beschleunigt, wodurch das Hunger- und Müdigkeitsgefühl

  vermindert wird.

- Die Verdauung wird angeregt.

- Rauchen beeinträchtigt den Geruchs- und Geschmackssinn.

- Verschiedene im Rauch enthaltenen Substanzen, vor allem aber der sich in der

  Lunge absetzende Teer, lösen die Reinigungsreflexe der Lunge (vermehrte

  Schleimproduktion und Hustenreiz) aus.

 

 

Gefahren:

- Beim Rauchen von Tabakprodukten werden Hunderte verschiedener Substanzen

   in unterschiedlichen Konzentrationen über die Lunge und Mundschleimhaut in den

   Körper aufgenommen. Viele dieser Substanzen sind giftig, darunter auch 70, die

   erwiesenermaßen krebserregend sind. Zudem verbleiben auch viele Partikel (vor

   allem Teer) in der Lunge, was diese u.a. durch Verklebung der zur Reinigung be-

   nötigten Flimmerhärchen schädigt, da es hierdurch Bakterien und Viren erleichtert

   wird, sich in der Lunge einzunisten. Durch diese beiden gesundheitsabträglichen

   Effekte des Rauchens kann der gesamte Organismus auf vielfältige Weise ge-

   schädigt werden, wobei viele dieser Schädigungen erst nach Jahren oder gar

   Jahrzehnten in Erscheinung treten. Besonders stark werden die Atemwege und

   das Herz-/Kreislaufsystem belastet. Es können u.a. folgende Erkrankungen auf-

   treten:

  - Das Immunsystem wird geschwächt, wodurch es zu Entzündungsreaktionen

    kommen kann. Dies kann u.U. auch dazu führen, daß z.B. die bestehenden

    Symptome einer Akne, Neurodermitis oder Schuppenflechte verstärkt werden.

  - Es können akute und chronische Infektionen der Atemwege auftreten. Zudem

    kann es längerfristig zu einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD)

    (umgangssprachlich "Raucherlunge" mit dem Hauptsymptom "Raucherhusten")

    kommen, ein Krankheitsbild, unter dem verschiedene Erkrankungen geführt wer-

    den; in erster Linie die chronisch-obstruktive Bronchitis und das Lungenemphy-

    sem. Auch Asthma ist möglich.

  - Es kann zu einer Schädigung der Magenschleimhaut kommen, die zu einer chro-

    nischen Gastritis führen kann, was die Bildung von Magengeschwüren begün-

    stigt. Auch Darmgeschwüre sind möglich.

  - Es können Nieren- und Harnwegserkrankungen auftreten.

  - Verschiedene Inhaltsstoffe des Tabakrauchs greifen die Gefäßwände an, wo-

    durch diese für Anhaftungen/Ablagerungen anfälliger werden. Zusätzlich wirkt

    das Nicotin gefäßverengend. Durch diese beiden Effekte steigt das Risiko für

    Durchblutungsstörungen und Thrombosen, was wiederum das Risiko für einen

    Herzinfarkt, eine Lungenembolie oder einen Schlaganfall erhöht. Zudem kann

    hierdurch langfristig auch ein "Raucherbein" entstehen.

  - Es können vermehrt Erkrankungen der Mundhöhle und der Zähne auftreten. So

    kann z.B. die verschlechterte Durchblutung der Mundschleimhaut zu einer Paro-

    dontitis und diese wiederum zu Zahnfleischrückbildung und Zahnausfall führen.

    Außerdem verfärben sich die Zähne durch den im Rauch enthaltenen Teer und

    andere Substanzen gelblich bis bräunlich.

  - Rauchen erhöht das Krebsrisiko (z.B. Lungen-, Mundhöhlen- oder Kehlkopfkrebs;

    möglicherweise auch Hautkrebs) erheblich. Auch für Passivraucher steigt das

    Krebsrisiko um bis zu 40%.

  - Nach Schätzungen sterben in Deutschland jährlich ca. 110.000 – 140.000 Men-

    schen an den Folgen des Tabakrauchens (ca. 43.000 an Krebs, ca. 37.000 an

    Herz-/Kreislauferkrankungen und ca. 20.000 an Atemwegserkrankungen). Ca.

    90 % der Lungenkrebsfälle sind auf das Rauchen zurückzuführen und die Sterb-

    lichkeitsrate unter Rauchern mittleren Alters ist doppelt so hoch als bei Nichtrau-

    chern. Im Schnitt sterben Raucher ca. 10 Jahre früher als Nichtraucher.

  - Das Diabetes-Risiko ist erhöht.

  - Die Wahrscheinlichkeit im Alter an Demenz oder Alzheimer zu erkranken, scheint

    erhöht zu sein.

  - Männer leiden häufiger unter Erektionsstörungen.

  - Bei Frauen sinkt der Östrogenspiegel. Hierdurch kommt es häufiger zu Störun-

    gen im Menstruationszyklus, das Klimakterium (Wechseljahre) kann verfrüht ein-

    setzen, die Fruchtbarkeit kann vermindert sein und das Osteoporose-Risiko

    steigt. Starke Raucherinnen erhöhen in Kombination mit der Antibabypille das

    Risiko für Durchblutungsstörungen, Krampfadern und Thrombosen noch stärker,

    was auch die Risiken für Herzinfarkt, Lungenembolie und Schlaganfall weiter er-

    höht. Ab dem 30. Lebensjahr steigen diese Risiken nochmals.

  - Rauchende Schwangere gefährden die Gesundheit des ungeborenen Kindes er-

    heblich! Durch die gefäßverengende Wirkung des Nicotins wird die Nähr- und

    Sauerstoffversorgung durch die Nabelschnur zum Fötus vermindert, was zu Ent-

    wicklungsstörungen, Mißbildungen und zu einer Früh- oder Fehlgeburt führen

    kann. Das Kind kann mit Untergewicht zur Welt kommen. Zudem wirken auch alle

    anderen im mütterlichen Blut gelösten Giftstoffe sowie dessen verminderter Sau-

    erstoffgehalt und erhöhter Kohlenmonoxidgehalt schädlich auf die Entwicklung

    des Kindes. Eine Nicotinentwöhnung während der Schwangerschaft ist nach

    ärztlicher Rücksprache grundsätzlich möglich!

- Die gefäßverengende Wirkung führt dazu, daß nach Verletzungen oder Operati-

  onen die Wundheilung verschlechtert ist. Auch z.B. Pickel heilen schlechter ab.

- Durch die schlechtere Durchblutung der Haut, wirkt diese fahl. Zudem beschleu-

  nigt sich hierdurch auch deren Alterung, was u.a. auch zu einer früheren Falten-

  bildung führt.

- Sowohl das Tabakrauchen als auch der Konsum von Nicotin als Reinstoff haben

  ein hohes Suchtpotential. Hierfür sorgt u.a. auch die recht kurze Wirkdauer des

  Nicotins, die häufigen Konsum begünstigt. Die Abhängigkeit ist sowohl psychisch

  als auch körperlich. So führt der regelmäßige Konsum von Nicotin zu einer Tole-

  ranzentwicklung, welche ein Bestandteil der Abhängigkeitsentwicklung von Rau-

  chern ist. Im Tabak sind aber auch noch weitere physiologisch wirksame Substan-

  zen enthalten. Zudem spielen bei Rauchern vor allem auch psychologische Fak-

  toren eine Rolle. Daher wird bei Rauchern in der Regel eher von einer Tabakab-

  hängigkeit gesprochen. Die körperliche Entwöhnung dauert nur wenige Tage, wo-

  bei Entzugserscheinungen wie Nervosität, Unruhe, Reizbarkeit, Aggressivität, de-

  pressive Verstimmungen, Angstgefühle, Schlafstörungen, Konzentrationsstörun-

  gen, verminderte Herzfrequenz und gesteigerter Appetit auftreten können. Diese

  Symptome erreichen meist zwei Tage nach der letzten Nicotinzufuhr ihren Höhe-

  punkt und mildern sich nach sieben bis zehn Tagen spürbar ab. Die psychischen

  Entzugserscheinungen können jedoch mehrere Monate andauern. Hier besteht die

  Gefahr, daß man in bestimmten Situationen, in denen man früher immer geraucht

  hat, wieder zur Zigarette greifen möchte, was zu Streß führen kann. Die Rückfall-

  gefahr geht in erster Linie hiervon aus. Bei einer Tabakabhängigkeit spielt die kon-

  sumierte Menge eine eher untergeordnete Rolle. Vielmehr zeigt das Unvermögen,

  damit aufhören zu können (wenn man es will), die Abhängigkeitsentwicklung an.

  Achtet man während der Entwöhnung und danach nicht auf seine Eßgewohnhei-

  ten, kann es langfristig zu einer nicht unerheblichen Gewichtszunahme kommen.

  Die Lunge regeneriert sich nach einer gewissen Zeit teilweise wieder.

- Rauchen während des Führens eines Fahrzeuges erhöht die Unfallgefahr durch

  z.B. Rauch in den Augen oder herunterfallende Glut.

 

 

Safer Use:

- Daß Rauchen schädlich ist, sollte heutzutage wohl jedem hinlänglich bekannt sein!

  Manche Zigaretten- oder Tabaksorten sind jedoch schädlicher als andere. Hierbei

  darf man jedoch weder der Werbung noch dem eigenen Raucherlebnis vertrauen.

  So sind z.B. aromatisierte und Light-Zigaretten oder -Tabaksorten nicht weniger

  schädlich als "normale". Bei diesen wird dem Konsumenten nämlich lediglich

  durch verschiedene Tricks und Zusatzstoffe (Additive) ein leichteres Rauchgefühl

  vermittelt, was jedoch im Ergebnis häufig nur dazu führt, daß der Rauch noch

  tiefer (in noch empfindlichre Teile der Lunge) inhaliert wird. Bei Tabak oder Ziga-

  retten solltest Du Dich immer für unbehandelte Sorten/Marken ohne Zusatzstoffe

  entscheiden. Informationen hierzu findet man im Internet. Selbstdreher sollten

  stets einen Filter (vorzugsweise einen Aktivkohlefilter) verwenden und das dün-

  nere Zigarettenpapier (Blättchen) des Typs "A" soll angeblich weniger schädlich

  sein.

- Rauche bewußt! Viele Zigaretten, die Du tagsüber so rauchst, sind vermutlich völ-

  lig überflüssig (überflüssig sind ja eigentlich alle!), da sie nur aus Langeweile (z.B.

  beim Warten) oder ritualisiert in bestimmten Situationen (z.B. beim Einstieg ins Au-

  to oder zum Beginn eines Gespräches) geraucht werden. Läßt Du diese weg, hast

  Du sowohl Deiner Gesundheit als auch Deinem Geldbeutel bereits einen riesigen

  Gefallen getan!

- Die appetitdämpfende Wirkung des Rauchens wird häufig auch von Frauen (aber

  auch von Männern) zum halten oder verringern des Körpergewichts genutzt.

  Rauchst Du nur aus diesem Grund, solltest Du besser nach alternativen Methoden

  suchen, die gesünder sind!

- Rauche nicht auf nüchternen Magen, da dies die Magenschleimhaut noch stärker

  angreift.

- Da Nicotin leicht über die Haut und Schleimhäute aufgenommen werden kann, gibt

  es für Tabakprodukte risikoärmere Konsumformen als das Rauchen; z.B. das Kau-

  en (Kautabak) oder Schnupfen (Schnupftabak). Zudem kann auch reines Nicotin

  auf verschiedenen Wegen dem Körper zugeführt werden; z.B. oral (Resorption

  über die Mundschleimhaut und den Magen-Darm-Trakt) in Form von Lutschtablet-

  ten, Kaugummis oder Sprays, über die Haut durch Pflaster oder über die Lunge in

  Form von Inhalatoren oder E-Zigaretten. Aber auch bei all diesen alternativen Kon-

  sumformen gibt es Risiken!

- Vermeide Mischkonsum:

  - In Kombination mit Alkohol ist das Krebsrisiko nochmals deutlich erhöht!

  - In Kombination mit Cannabis wird die Wirkung des THCs vermindert, während

    die des Nicotins verstärkt wird. Zudem steigt das Risiko für Atemwegserkrankun-

    gen durch zusätzliche Schadstoffe.

  - In Kombination mit z.B. Amphetamin (Speed), Kokain, MDMA (Ecstasy) oder

    Methamphetamin (Crystal) erhöhen sich die Herzfrequenz und der Blutdruck

    noch stärker.

  - In Kombination mit Crack oder Freebase kann eine starke Gefäßverengung auf-

    treten, die zum Schlaganfall führen kann.

  - In Kombination mit Benzodiazepinen kann sich deren schlaffördernde Wirkung

    verringern.

  - In Kombination mit Opioiden kann sich deren schmerzmindernde Wirkung verrin-

    gern.

- Brandgefahr:

  - Drücke Zigaretten (auch im Freien!) immer gut aus! Hierdurch vermeidest Du ei-

    nerseits die Entstehung von Bränden und andererseits das Entstehen von über-

    flüssigem, zusätzlichem gesundheitsschädlichem Rauch! Im Idealfall solltest Du

    immer einen selbstschließenden Rauchfangaschenbecher verwenden, da dieser

    zum einen die Glut nach einiger Zeit zuverlässig erstickt und zum anderen unan-

    genehme Aschenbechergerüche verhindert.

  - Werfe keine Zigaretten aus dem fahrenden Auto und asche auch nicht durch das

    geöffnete Fenster ab. Die Glut (auch heiße Asche kann sich neu entzünden)

    kann in brennbare Bereiche nachfolgender Autos (z.B. Motordämmung, Innen-

    raum oder Ladeflächen) geraten, Fußgänger oder Radfahrer treffen oder in trock-

    enen Sommern einen Feld- oder Waldbrand verursachen!

  - Leere den vollen Aschenbecher niemals zeitnah zur letzten ausgedrückten Ziga-

    rette in den Mülleimer aus. Es könnte noch irgendwo ein Glutnest sein! Außer-

    dem könnte auch durch die beim Ausleeren verursachte Umverteilung der noch

    warmen (teils noch heißen) Asche und den dabei entstehenden Luftstrom an die-

    ser, neue Glut entstehen, welche sich im Mülleimer unbemerkt (und eventuell

    auch erst nach längerer Zeit) zu einem Feuer entwickeln kann.

  - Rauche niemals übermüdet im Bett oder auf anderen Polstermöbeln. Schläfst Du

    ein und fällt die Zigarette oder Pfeife ungünstig, kann sich in kurzer Zeit ein Brand

    entwickeln!

- Das gemeinsame Rauchen einer Zigarette oder auch jeglichen anderen Rauch-

  geräts, bei dem man das Mundstück gemeinsam nutzt, birgt das Risiko, sich mit

  durch Speichel übertragbaren Krankheiten zu infizieren.

- Das Kauen oder Schlucken von Rauchtabak sowie das Trinken von in Wasser

  oder Alkohol gelöstem Rauchtabak ist lebensgefährlich! Hast Du versehentlich aus

  einer Bierflasche, die als Aschenbecher gebraucht wurde, oder Bongwasser ge-

  trunken, solltest Du – insofern es größere Mengen waren – schnellstmöglich den

  Notruf anrufen und Dich erbrechen! Eine Nicotinvergiftung äußert sich u.a. durch

  ein Brennen im Mund, einem Wärmegefühl in der Magengegend, einem beklem-

  menden Gefühl in der Herzgegend, Atemnot, Schwindelgefühl, Übelkeit, Erbrech-

  en und Durchfall sowie einer blassen oder bläulichen, kalten Haut und kalten

  Schweiß. Bei hohen Nicotindosen kann es binnen kürzester Zeit zu einem Kreis-

  laufkollaps und einer Atemlähmung kommen!

- Sei ein netter Mensch und setze Kinder nie und Nichtraucher nicht übermäßig Dei-

  nem Qualm aus! Aber: In Deutschland ist das rauchen legal! Daher solltest Du

  Dich auch nicht als Aussätziger fühlen oder behandeln lassen! Auch andere Dinge

  wie z.B. (Auto-)Abgase, Feinstaub usw. sind in gleicher Weise erheblich gesund-

  heitsschädigend und wären grundsätzlich vermeidbar.

- Sei keine Umweltsau! Zigarettenfilter verschandeln die Landschaft und benötigen

  ca. 10 – 15 Jahre bis sie sich zersetzen!

- Personen mit Herz-/Kreislauf- oder Lungenerkrankungen (z.B. Asthma oder chro-

  nische Bronchitis) sowie erhöhtem Herzinfarktrisiko sollten keinen oder zumindest

  nur selten und in geringen Dosen Tabak konsumieren.

- Frauen, die die Antibabypille nehmen, sollten sich der erhöhten Risiken bewußt

  sein und auf den übermäßigen Konsum von Nicotin (insbesondere ab dem 30. Le-

  bensjahr) verzichten.

- Schwangere sollten möglichst sofort nachdem sie von ihrer Schwangerschaft er-

  fahren haben mit dem Tabakrauchen aufhören und bis zu einer ärztlichen Rück-

  sprache (wenn die Sucht zu stark ist) auf andere Alternativen wie E-Zigaretten,

  Kaugummis, usw. ausweichen. Bestehen keine medizinischen Bedenken für eine

  Rauchentwöhnung, sollte diese auf jeden Fall schnellstmöglich begonnen werden!

- Im Notfall den europaweit gültigen Notruf (Nummer: 112) anrufen. Schildere am

  Telefon nur die Symptome und kläre den Rettungsdienst oder Notarzt vor Ort über

  die konsumierten Substanzen auf. Sie unterliegen der Schweigepflicht!

  Informationen zur Ersten Hilfe bei Drogennotfällen findest Du hier.

 

 

Letzte Änderungen: 07.02.2017

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Wenngleich die Informationen dieser Seiten nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt wurden, so können Fehler jedoch nicht ausgeschlossen werden. Eve&rave Münster e.V. übernimmt keine Haftung für Schäden, die durch die Verwendung dieser Informationen entstehen.

 

Artikel und Studien zu Tabak und Nicotin

 

Nicotin (Wikipedia)

 

Tabak (Wikipedia)

 

Tabak (Gattung) (Wikipedia)

 

Tabakrauch (Wikipedia)

 

Tabakrauchen (Wikipedia)

 

Tabakzusatzstoff (Wikipedia)

 

Zusatzstoffe in Tabakprodukten / EU-Projekt PITOC (Deutsches Krebsfor-schungszentrum)

Informationen zur Gesundheitsgefährdung durch Tabakzusatzstoffe.

 

 

Schockbilder für Raucher: Jetzt wird's eklig! (Web.de, 20.05.2016)

In anderen Ländern gibt es sie schon. Nun werden die Schockbilder auch auf deutschen Zigarettenpackungen erscheinen und Rauchern den Appetit auf die Glimmstängel vermiesen.

 

Mit offenen Karten – Die Verbreitung des Tabaks (arte, Januar 2016) (12 min.) Der Weltgesundheitsorganisation zufolge kamen im 20. Jahrhundert 100 Millionen Menschen durch Tabakrauch ums Leben. Im 21. Jahrhundert könnten eine Milliarde Menschen daran sterben, wenn der derzeitige Trend anhält. MIT OFFENEN KAR- TEN beschäftigt sich mit dieser laut WHO „absolut vermeidbaren menschenge- machten Epidemie“.

 

US-Studien: Rauchstopp vor dem Vierzigsten bringt neun Jahre mehr (Spiegel online, 24.01.2013)
Wer nie geraucht hat, dessen Chancen verdoppeln sich, den 80. Geburtstag zu er- leben. Doch auch Raucher, die noch vor dem vierzigsten Geburtstag das Qualmen aufgeben, leben statistisch neun Jahre länger, zeigen neue US-Daten. Ein Freibrief für junge Raucher sind die Ergebnisse jedoch nicht.
 

 

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