eve&rave Münster e.V.
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Methamphetamin (Crystal)

 

Chemische Bezeichnung (IUPAC):

(S)-N-Methyl-1-phenyl-2-propanamin

 

Andere Bezeichnungen:

N-Methylamphetamin, (S)-N-Methyl-1-phenylpropan-2-amin, (S)-2-Methylamino-1-phenylpropan, 1-Phenyl-2-methylamino-propan, Desoxyephedrin, Methedrin, (...)

 

Handelsnamen:

Pervitin® (ehemals), (...)

 

Szenetypische Bezeichnungen:

in Europa: Crystal, Crystal-Meth, C, Ruppe (durch die Nase ruppen), (...)

in Nordamerika: Crank, Crystal Speed, Glass, Ice (Verwechslungsgefahr mit 2C-B),

                           Meth, Piko, Tik, (...)

in Asien: Perlik, Shishe (im Iran), Yaba (in Thailand), (...)

in Rußland: Hard Pep, Vint, (...)

außerdem: Freebase-Speed, Super-Speed, auch nur Speed (Verwechslungsgefahr

                  mit Amphetamin und Methcathinon), (...)

 

Methamphetamin zählt zur Stoffgruppe der Phenylethylamine und wurde erstmals 1893 synthetisiert. Aber erst mit der Entwicklung des Methamphetaminhydrochlorids im Jahre 1919 war es auch in kristalliner (fester) Form verfügbar. Das Methamphe- taminmolekül existiert in zwei spiegelbildlichen Varianten, dem (S)-N-Methampheta- min und dem (R)-N-Methamphetamin. Die S-Form wirkt jedoch stärker und wird da- her bevorzugt als Rauschmittel verwendet. Sie ist jedoch nur durch bestimmte Syn- thesewege (mit Ephedrin oder Pseudoephedrin) als Reinstoff herstellbar. Bei ande- ren, einfacheren Synthesewegen entsteht ein Racemat (Gemisch) aus beiden Vari- anten.

Methamphetamin ist nah mit dem Amphetamin (Speed) verwandt und wirkt auch sehr ähnlich wie dieses (stimulierend, euphorisierend und aphrodisierend), jedoch um einiges stärker (man sagt bis zu 5-mal stärker) und länger, weshalb es in Szene-kreisen auch allgemein als leistungssteigernde Durchhaltedroge gilt. Durch die er- höhte Ausschüttung der körpereigenen Neurotransmitter Dopamin, Noradrenalin und Serotonin in bestimmten Teilen des Gehirns und die Ausschüttung des Hor- mons Adrenalin im Körper, versetzt es den Körper in den sogenannten Fight-&-Flight-Zustand (Kampf-und-Flucht-Zustand), der sonst nur in Gefahrensituationen eintritt und mit einer Fokussierung der Wahrnehmung (erhöhte Konzentrationsfähig- keit, Leistungsfähigkeit und Risikobereitschaft) und einer Verminderung der vegeta- tiven Bedürfnisse (kein/verringertes Hunger-, Durst-, Müdigkeits-, Erschöpfungs- und Schmerzempfinden) einhergeht. Der Stoffwechsel wird angeregt, die Atmung beschleunigt und der Blutdruck, der Puls und die Körpertemperatur (zum Aufwär- men der Muskeln) erhöht. Im Gegensatz zum Amphetamin ist Methamphetamin neurotoxisch (d.h. es kann zum Absterben von Nervenzellen führen).

Obwohl Methamphetamin in den Medien als neue Droge propagiert wird, wurde be- reits ab 1934 in Deutschland an dessen Herstellung gearbeitet. Ab 1938 wurde es schließlich als Psychopharmakon unter dem Handelsnamen Pervitin® frei verkäuf- lich vertrieben. Im Zweiten Weltkrieg wurde es von der Wehrmacht unter dem Na- men "Panzerschokolade" (Schokolade mit Methamphetamin) oder "Stuka-Tablette" u.a. im Blitzkrieg an der Westfront eingesetzt, um die Soldaten wach und leistungs- fähig zu halten und um deren Hungergefühl, Ängste und Schmerzen zu mildern. Auch die Bundeswehr hielt Methamphetamin für ihre Streitkräfte bis in die 1970er- Jahre vorrätig. Nach dem Krieg kam Methamphetamin als leicht zugängliches Mittel gegen Depressionen und bei Übergewicht zur Anwendung und wurde auch im Beruf und Sport als Aufputschmittel mißbraucht. Pervitin® war in Deutschland bis 1988 auf Rezept erhältlich. Heutzutage ist (S)-N-Methamphetamin nur noch als Medikament gegen ADHS und krankhaftes Übergewicht erhältlich. Das (R)-N-Methamphetamin hingegen ist in Form von Nasensprays rezeptfrei erhältlich, wo es in geringen Kon- zentrationen zum Abschwellen der Nasenschleimhäute dient.

Obwohl der Konsum von Methamphetamin vor noch nicht all zu langer Zeit als ein weiteres "Problem der Technoszene" bezeichnet wurde, so mußte mittlerweile ein- gestanden werden, daß dies zumindest in Deutschland keinesfalls so ist. Metham-phetamin wird zwar auch in der Technoszene konsumiert, jedoch in sehr viel gering- erem Umfang (und regional sehr begrenzt), als dies in einer solch leistungsbezoge- nen Szene, in der es darauf an kommt, über Stunden tanzen zu können, zu vermu- ten wäre. Ein Grund hierfür ist vermutlich die sehr gut funktionierende, szeneinterne Drogeninformationskultur (und die sich hieraus entwickelte Substanzsensibilität), die sich über viele Jahre etabliert hat. Diverse Szeneinitiativen in ganz Deutschland und dem Rest der Welt wie z.B. eve&rave haben hierzu einen wichtigen Beitrag geleis- tet.

Eine wesentlich umfangreichere Verbreitung von Methamphetamin ist in der Berufs- welt (z.B. in leistungsbezogenen Berufen wie bei Geschäftsleuten) und bei alleiner-ziehenden Müttern, die mit ihrer Lebens- und Alltagssituation überfordert sind, zu beobachten. Außerdem scheint Methamphetamin in der Schwulenszene recht ver- breitet zu sein, da es zum einen den Analverkehr erleichtern soll und zum anderen das Durchhaltevermögen erhöht. Daher kommt Methamphetamin auch häufig auf sogenannten Chemsex-Parties zum Einsatz, die über mehrere Tage andauern kön- nen.

Methamphetamin ist ein Rauschmittel, das "perfekt" in die heutige Leistungs- und Körperkult-Gesellschaft paßt. Es ist kostengünstig und leicht verfügbar (weil einfach herzustellen), unkompliziert in der Anwendung (Schnupfen oder Schlucken) und er- möglicht dem Konsumenten, körperlich und geistig leistungsfähig und schlank zu sein/zu bleiben. Zudem kann es helfen, den Streß des Alltages zu vergessen. Nicht selten wird Methamphetamin auch in sehr geringe Dosen als Kaffee-Ersatz am Mor- gen oder bei Leistungseinbrüchen tagsüber nasal konsumiert. Bei diesen Mengen entstehen für Außenstehende zunächst keine Verhaltensauffälligkeiten.

Auswertungen von Drogentests zeigen einen gehäuften Mischkonsum von Metham-phetamin mit Cannabis oder Heroin.

 

Methamphetamin unterliegt dem BtMG (Anlage III: Verkehrsfähige und verschrei-

bungsfähige Betäubungsmittel). Einfuhr, Erwerb, Besitz (ohne Rezept) und Weiter-gabe/Handel sind strafbar!

 

 


Merkmale:
- Kleine milchig-weiße Kristalle, die an Eiskristalle oder Glassplitter erinnern (im

  Szenejargon daher auch als "Crystal", "Glass" oder "Ice" bezeichnet) oder weißes

  kristallines Pulver. Beide Formen können auch gefärbt (z.B. rosa oder blau) sein.

  Das Pulver kann auch in Kapseln gefüllt oder seltener (eher Asien) in Tabletten-

  form gepreßt sein und wird dann häufig als "Thai-Pille" bezeichnet.

- Im Gegensatz zum Amphetamin (Speed), welches meist gestreckt ist (durch-

  schnittliche Reinheit ca. 20 %), hat Methamphetamin in kristalliner Form meist ei-

  nen wesentlich höheren Reinheitsgrad von ca. 90 – 100 %. Liegt es als kristallines

  Pulver vor, variiert der Reinheitsgrad zwischen 10 und 80 %. Mögliche Verschnitt-

  mittel sind Ephedrin, Coffein, Milchzucker oder Paracetamol.

- Der Preis für eine normale Menge (ein Briefchen à 1 g) variiert je nach Region

  zwischen 25,- und 75,- €.

 


Gebrauch:
- In der Regel wird Methamphetamin geschnupft (auch als "Ziehen", "Ruppen" oder

  "Sneefen" bezeichnet), was meist zu einem starken Brennen in der Nase und we-

  nig später zu einem unangenehmen Geschmack im Rachen führt. Die Resorption

  erfolgt über die Nasenschleimhaut und in geringem Umfang auch über den hoch-

  gezogenen und dann geschluckten Nasenschleim im Verdauungstrakt.

- Methamphetamin kann in Form von Tabletten, Kapseln oder "Bömbchen" (in Ziga-

  rettenpapier gewickeltes Pulver) geschluckt werden (auch "bomben" genannt).

- Methamphetamin kann auch geraucht/verdampft werden. Hierzu wird es entweder

  auf eine Alufolie oder ein dünnes Metallblech gegeben, dann von unten erhitzt und

  der so entstandene Dampf inhaliert (auch "blecheln" genannt) oder es wird direkt

  durch eine Pfeife geraucht. Im Vergleich zum Schnupfen wird diese Konsumform

  von den meisten Konsumenten als wesentlich angenehmer empfunden, ist jedoch

  aufgrund des schnellen Anflutens im Gehirn stärker neurotoxisch und birgt ein er-

  höhtes Risiko, ein abhängigkeitsförderndes Konsummuster zu entwickeln (siehe

  auch Gefahren).

- Um Methamphetamin intravenös (i.v.) zu spritzen (auch als "ballern" bezeichnet),

  muß es zuvor in Wasser gelöst und anschließend zur Sterilisation erhitzt werden.

  Durch das Erhitzen verringert sich jedoch die Wirkstärke. Es besteht ein erhöhtes

  Risiko für Überdosierungen.

- Methamphetamin kann auch anal oder vaginal zugeführt werden. Hierzu wird es

  zuvor in Wasser gelöst und die Lösung mit einer nadelfreien Spritze in den End-

  darm oder die Vagina gespritzt. Die anale Verabreichung wird auch als "booty

  bomb" bezeichnet.

- Die wirksame Dosis von Methamphetamin liegt bei ca. 10 – 15 mg.

- Die toxische Schwelle liegt bei ca. 100 mg. Dies gilt aber nur für den oralen Kon-

  sum, bei dem der Wirkstoff stark verzögert im Gehirn anflutet. Bei schneller wir-

  kenden Konsumformen liegt dieser Wert niedriger.

 


Wirkung:

- Wird Methamphetamin inhaliert (geraucht/verdampft) oder gespritzt, setzt die Wir-

  kung sofort ein; geschnupft nach ca. 5 – 10 Minuten, geschluckt nach ca. 30 – 40

  Minuten. Zur analen oder vaginalen Verabreichung existieren keine verläßlichen

  Angaben. Bei einer analen Verabreichung dürfte die Wirkung nach wenigen Minu-

  ten erfolgen.

- Die Wirkung hält ca. 4 – 20 Stunden an (bei höheren Dosierungen auch deutlich

  über 24 Stunden).

- Methamphetamin wirkt stimulierend, euphorisierend und aphrodisierend:

  - Die Wahrnehmung ist fokussiert und man ist konzentriert.

  - Die körperliche Leistungsfähigkeit ist gesteigert.

  - Der Bewegungsdrang ist erhöht.

  - Das Selbstbewußtsein ist gesteigert.

  - Der Kommunikationsdrang ist erhöht ("Laber-Flash"). Man ist kontaktfreudiger.

  - Das sexuelle Verlangen ist gesteigert und die Bereitschaft für riskante Sexual-

    praktiken erhöht.

  - Generell ist die Risikobereitschaft erhöht.

  - Das Hunger-, Durst-, Müdigkeits- und Erschöpfungsempfinden ist vermindert

    oder gänzlich unterdrückt.

  - Das Schmerzempfinden ist vermindert.

- Konsumenten beschreiben außerdem bestimmte Gefühlslagen wie z.B. eine Be-

  wußtseinserweiterung oder das Einssein mit anderen. Die Kommunikation mit an-

  deren wird häufig als sehr speziell empfunden. So scheinen alle Gesprächsthemen

  gleichwertig zu sein (z.B. Wetter, Sex, triviale Dinge des Alltags oder komplexe

  Sachverhalte). Es stellt sich das Gefühl ein, mit den Gesprächspartnern auf eine

  besondere Art verbunden zu sein, so daß jedes Thema klar, direkt und ohne Tabus

  besprochen werden kann. Sie fühlen sich beim Sprechen kompetent und haben

  das Gefühl, auch Erkenntnisse aus unter normalen Umständen kompliziert er-

  scheinenden Sachverhalten zu gewinnen.

- Konsumenten empfinden die leistungssteigernden Aspekte des Methamphetamin-

  rausches in verschiedenen Lebensbereichen zunächst als positiv. So können sie

  auf Parties länger Tanzen, am PC länger zocken oder anderen Hobbys exzessiver

  nachgehen. Aber auch die alltäglichen Dinge des Lebens können sie "schneller

  und perfekt" erledigen, da sie konzentrierter sind. Außerdem können sie länger

  Lernen, schneller Problemlösungen entwickeln, intensiver arbeiten und der An-

  trieb, unangenehme Tätigkeiten zu erledigen, ist deutlich erhöht.

- Männer schätzen an der Wirkung von Methamphetamin neben den schlankmach-

  enden Eigenschaften vor allem den sexuellen Lustgewinn, der über Stunden und

  auch über die Ejakulation hinaus anhalten kann.

- Frauen schätzen vor allem die schlankmachende Wirkung und das ihnen die all-

  täglichen Dinge im Haushalt so leicht von der Hand gehen. Auch Frauen verspü-

  ren einen sexuellen Lustgewinn, wenngleich er von ihnen nicht so häufig themati-

  siert wird. Mitunter empfinden sie nach dem Sex unter dem Einfluß von Metham-

  phetamin auch Scham, weil dieser ausschweifender war, als sie es im nüchternen

  Zustand zugelassen hätten.

- Der Kreislauf wird als Folge der Freisetzung von Adrenalin stimuliert. Der Puls und

  die Atmung werden beschleunigt und der Blutdruck und die Körpertemperatur er-

  höht. Es kann zu Herzrasen mit einem plötzlichen Anstieg des Blutdrucks, Herz-

  rhythmusstörungen, Kreislaufproblemen und einer Überhitzung des Körpers (Hy-

  perthermie) kommen.

- Es können Schweißausbrüche, ein Juckreiz der Haut, Schwindel, Mundtrocken-

  heit, eine Hypermotorik oder Verkrampfung der Kaumuskulatur ("Kau-Flash" und/

  oder Zähneknirschen), Magenbeschwerden, Muskelkrämpfe, Zittern und Verwirrt-

  heit auftreten. Zudem kann ein sich stetig wiederholendes Verhalten (z.B. Kratzen

  oder Pickel aufkratzen/quetschen) auftreten.

- Eine akute Überdosis kann sich in Form eines überdrehten Deliriums u.a. mit

  Übelkeit, Herzrasen, Panikattacken und paranoiden Zuständen oder auch in Form

  einer Hyperthermie äußern. Bei einer Hyperthermie bekommt der Betroffene einen

  roten, heißen Kopf und muß sich möglicherweise übergeben. Die Haut ist sehr

  warm und der Puls schnell.

- Auf den Rausch folgt in der Regel ein Kater, der mit Erschöpfung, Müdigkeit, De-

  pressionen, Reizbarkeit, Konzentrationsstörungen und Schlaflosigkeit einhergeht.

  Nach einem (evtl. sehr ausgedehnten) Schlaf kann ein übersteigertes Hungerge-

  fühl auftreten. Der Erschöpfungszustand kann einige Tage anhalten.

 

 

Gefahren:

- Die verschiedenen Konsumformen bergen auch unterschiedliche Risiken:

  - Das Schnupfen kann zu Schädigungen/Verletzungen der Nasenschleimhaut und     Nasenscheidewand führen. Wird Methamphetamin längerfristig nasal konsumiert,

    kann dies zu einer Zersetzung der Nasenscheidewand führen. Werden Schnupf-

    röhrchen geteilt, kann es zur Übertragung von gefährlichen Krankheiten wie z.B.

    Hepatitis kommen, insbesondere dann, wenn diese scharfkantig sind – also die

    Nasenschleimhaut verletzen können. Geldscheine sollten aufgrund ihrer hohen

    Keimbelastung nie benutzt werden.

  - Das Rauchen ist aufgrund des schnellen Anflutens im Gehirn stärker neurotox-

    isch als z.B. das Schlucken und birgt ein erhöhtes Risiko, ein abhängigkeitsför-

    derndes Konsummuster zu entwickeln. Es ist die Konsumform mit der stärksten

    Suchtentwicklung! Zudem können Blutgefäße blockieren und die Lungenbläschen

    können verätzen. Langfristig kann es zu Kurzatmigkeit und einer Verkleinerung

    des Lungenvolumens kommen. Die Schäden sind vermutlich mit jenen des Ta-

    bakrauchens vergleichbar.

  - Beim Spritzen besteht ein hohes Risiko, sich eine Überdosis zu verabreichen.

    Zudem besteht auch hier eine erhöhte Neurotoxizität, ein hohes Suchtpotential

    und das Risiko von Venenverletzungen. Wird die Lösung zuvor nicht erhitzt (ste-

    rilisiert), besteht zudem ein erhöhtes Risiko für Infektionskrankheiten, Abszesse,

    Venenentzündungen, Venenthrombosen, einer Herzmuskelentzündung, Herz-

    klappenentzündungen und Hauterkrankungen. Werden Spritzen geteilt, besteht

    zudem das Risiko, sich mit Hepatitis oder HIV zu infizieren.

  - Bei der analen Verabreichung besteht die Gefahr von Verletzungen der empfindli-

    chen Darmwand. Das schnelle Anfluten im Gehirn kann auch bei dieser Konsum-

    form das Suchtpotential erhöhen. Beim Teilen von Konsumhilfen besteht – wie

    beim Schnupfen – das Risiko, sich mit übertragbaren Krankheiten zu infizieren.

- Methamphetamin belastet das Herz-/Kreislaufsystem enorm. Wegen der niedrigen

  Wirkdosis kann es leicht zu einer Überdosierung kommen, die zu einer Fehlregu-

  lation der Körpertemperatur (Überhitzung, Hyperthermie), Kreislaufkollaps, Be-

  wußtlosigkeit, Lähmungen, Atemlähmung und im schlimmsten Fall zum Tod durch

  Herzstillstand führen kann. Auch Todesfälle durch Hirnblutungen, Schlaganfall,

  Lungenödem und den Folgen einer Hyperthermie (u.a. Rhabdomyolyse und Nie-

  renversagen) sind im Zusammenhang mit Überdosierungen dokumentiert.

- Ein langanhaltender regelmäßiger Gebrauch führt zu Veränderungen am Herzen

  und erhöht das Risiko für Arteriosklerose und andere Gefäßerkrankungen deutlich.

  Möglicherweise steigt auch das Herzinfarktrisiko. Es können Herzrhythmusstörun-

  gen, Herz-/Kreislaufstörungen, eine Erhöhung des Blutdrucks, Risse in den Haupt-

  schlagadern und Hirnblutungen, Mundtrockenheit, Hautveränderungen, Hautent-

  zündungen, Magenschmerzen, Magendurchbrüche, starker Gewichtsverlust, Un-

  tergewicht, Haarausfall, erhebliche Schädigungen der Zähne und kariesbedingter

  Zahnausfall (Meth-Mund), Nierenschäden, eine Schwächung des Immunsystems

  (erhöhte Infektanfälligkeit), eine verringerte Libido und Bewegungsstörungen auf-

  treten. Auch das Risiko an Parkinson zu erkranken ist erhöht.

- Bei Frauen kann der Menstruationszyklus gestört sein und die Menstruationsbe-

  schwerden können sich verstärken. Auch wenn die Menstruation unregelmäßig ist

  oder ganz ausbleibt, ist eine Schwangerschaft möglich!

- Ein langanhaltender regelmäßiger Gebrauch von Methamphetamin führt zum Ab-

  sterben von Nervenzellen (bedingt durch dessen neurotoxische Wirkung) und zu

  einem Mangel an bestimmten Neurotransmittern im Nervensystem. Häufig ist die-

  ser Mangel noch nach über einem Jahr nachweisbar, so daß davon auszugehen

  ist, daß er in einigen Fällen auch irreversibel ist. Der Neurotransmittermangel und

  auch die verminderte Neuronenzahl kann zu Symptomen wie Schlafstörungen,

  Schlafentzugspsychosen, deutlichen Persönlichkeitsveränderungen, Beeinträchti-

  gungen in der Merkfähigkeit, Konzentrationsstörungen, Wortfindungsstörungen,

  aggressivem Verhalten, Depressionen, Panikattacken, Angstzustände, paranoiden

  Psychosen (die Tage bis Wochen anhalten können), schizophrenen Zuständen

  und anderen psychischen Störungen wie z.B. sich stetig wiederholenden Handlun-

  gen (z.B. Kratzen) führen. Ein nicht geringer Prozentsatz der Dauerkonsumenten

  ist hiervon betroffen und einige von ihnen müssen dauerhaft als Pflegefälle betreut

  werden. Bei einigen Konsumenten bleibt eine dauerhafte Methamphetamin-Psy-

  chose (auch nach einem Entzug) bestehen. Auch Suizidversuche von Methamphe-

  taminkonsumenten sind nicht selten.

- Methamphetamin wird häufig primitiv und mit unreinen Chemikalien hergestellt

  (z.B. Batterieteile und Streichholzköpfe), was zu einem stark verunreinigten End-

  produkt führen kann. Es ist schwer zu sagen, ob bestimmte Risiken des Metham-

  phetaminkonsums (z.B. Haarausfall und Meth-Mund) auf das Methamphetamin

  selbst oder die Verunreinigungen zurückzuführen sind.

- Die Kater-Symptome (u.a. Reizbarkeit, verminderte Konzentrationsfähigkeit, Unzu-

  friedenheit oder Lethargie) werden häufig für Entzugserscheinungen gehalten und

  (auch bedingt durch die anstehenden alltäglichen Verpflichtungen) durch weiteren

  Konsum bekämpft, was eine Suchtbildung begünstigt.

- Rasch wird eine Toleranz aufgebaut, wodurch Dauerkonsumenten deutlich höhere

  Dosierungen benötigen.

- Methamphetamin besitzt nicht nur aufgrund seiner psychoaktiven Wirkung und

  den damit einhergehenden Entzugssymptomen ein erhebliches psychisches und

  körperliches Abhängigkeitspotential. Das Bedürfnis, es weiter nehmen zu wollen,

  entsteht bei vielen Konsumenten auch durch dessen schlankmachende/schlank-

  haltende Wirkung, die durch die Unterdrückung des Hungergefühls und Erhöhung

  des Bewegungsdranges verursacht wird. Zudem kann Methamphetamin kurzfristig

  helfen, unangenehme Gefühlszustände oder berufliche/familiäre Belastungen bes-

  ser ertragen zu können.

  Ernstzunehmende Hinweise auf eine Abhängigkeit sind das Substanzverlangen,

  der Konsum wieder besseren Wissens (negative Konsequenzen in Familie und

  Beruf), wenn der Konsum das tägliche Leben bestimmt, Kontrollverlust, Toleranz-

  entwicklung und die bereits beschriebenen Entzugssymptome (siehe Wirkung).

  Gelegentlich äußert sich die Abhängigkeit auch durch die Entwicklung weiterer

  Süchte wie z.B. der (Glücks-)Spielsucht und/oder Sexsucht.

- Bei vorbelasteten Personen können latente (verborgene) Psychosen zum Aus-

  bruch kommen.

- Das Führen eines Fahrzeugs unter dem Einfluß von Methamphetamin ist gefähr-

  lich und wird mit dem Entzug der Fahrerlaubnis bestraft.

 

 

Safer Use:

- Vorsicht, auch andere Substanzen wie PCP (Angel Dust) werden als Methamphe-

  tamin verkauft! Teste die Substanz also immer vorsichtig an, insbesondere wenn

  es sich nicht um größere Kristalle, sondern um Pulver handelt, da hier die Gefahr

  von Verwechslungen und Verunreinigungen besonders hoch ist.

- Das Rauchen oder Spritzen von Methamphetamin ist deutlich riskanter als das

  Schnupfen oder Schlucken. Von Injektionen ist aus den verschiedensten Grün-

  den abzuraten!

- Vermeide das Teilen von Konsumhilfen wie Schnupfröhrchen (nimm keine Geld-

  scheine!) und natürlich Spritzen. Hierdurch kannst Du Dich mit gefährlichen Krank-

  heiten (z.B. Hepatitis und HIV) infizieren.

- Lange Konsumpausen sind dringend zu empfehlen, genauso wie mehrtägiger

  Konsum zu vermeiden ist.

- Nach dem Konsum, dem Körper reichlich Schlaf und Regenerationszeit geben.

  Lange Schlaflosigkeit führt zu psychotischen und Wahnzuständen, welche durch

  weiteren Konsum nicht behoben, sondern verschlimmert werden. Außerdem soll-

  ten möglichst viele Vitamine und Mineralien aufgenommen werden. Regelmäßiger

  Methamphetaminkonsum zehrt den Körper aus!

- Vermeide Mischkonsum:

  - In Kombination mit Alkohol besteht die Gefahr einer Alkoholvergiftung, da man

    die Alkoholwirkung nicht mehr (richtig) wahrnehmen kann. Da man sich ja noch

    vermeintlich nüchtern fühlt, kann dies zu einem übermäßigen Alkoholkonsum füh-

    ren, was wiederum die Leber stark belastet, da sie nun zwei Substanzen (und

    eine noch dazu im Übermaß) entgiften muß.

  - In Kombination mit Coffein können sich die Nebenwirkungen wie Herzrasen und

    Kreislaufprobleme verstärken. Das Risiko für einen Kreislaufkollaps und Über-

    hitzung steigt.

  - In Kombination mit Nicotin erhöhen sich die Herzfrequenz und der Blutdruck noch

    stärker.

  - In Kombination mit Cannabis können unberechenbare Zustände auftreten. Zu-

    nächst verstärkt Cannabis die Wirkung des Methamphetamins, was das Herz-/

    Kreislaufsystem stark belasten kann. Darüber hinaus wirkt Cannabis jedoch der

    Wirkung von Methamphetamin entgegen. Viele Konsumenten nutzen Cannabis,

    um nach dem Methamphetaminrausch schlafen zu können. Hier besteht die Ge-

    fahr, das der Schlaf-Wach-Rhythmus zunehmend nur noch durch diese zwei

    Rauschmittel geregelt wird und sich hierdurch eine Sucht nach beiden Substan-

    zen entwickelt.

  - In Kombination mit Amphetamin (Speed) erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für

    Herzrasen, Schwindelgefühle, Kreislaufkollaps und Überhitzung.

  - In Kombination mit MDMA (Ecstasy) wird das Herz-/Kreislaufsystem extrem stark

    belastet. Zudem ist die Wirkung des MDMAs nicht mehr spürbar, was auch zu

    Überdosierungen führen kann. Dieser Effekt kann mehr als drei Wochen anhal-

    ten. Erst danach sind die Effekte von MDMA wieder spürbar.

  - In Kombination mit Kokain wird das Herz-/Kreislaufsystem stark belastet. Es kön-

    nen plötzlich lebensbedrohliche Kreislaufprobleme mit Atembeeinträchtigungen

    und Herzstillstand auftreten.

  - In Kombination mit LSD kann sich die Dauer des LSD-Rausches verkürzen und

    das Risiko für "Horror-Trips" erhöhen. Nach langanhaltendem Methamphetamin-

    konsum steigt – vermutlich aufgrund der dann zumeist schlechten allgemeinen

    psychischen Verfassung des Konsumenten – das Risiko für "Horror-Trips" mit

    sehr unangenehmen Halluzinationen weiter an.

  - In Kombination mit Heroin kann eine Atemlähmung, spontane Hirnblutungen,

    Herzrhythmusstörungen, massive Blutdruckkrisen, ein Kreislaufzusammenbruch

    und Hirnschädigungen auftreten. Die Wirkung ist unberechenbar und kann zu

    einer kombinierten Abhängigkeit von beiden Rauschmitteln führen.

  - In Kombination mit Poppers oder Potenzmitteln wie z.B. Sildenafil (Viagra®) wird

    das Herz-/Kreislaufsystem stark belastet. Das Risiko einen Herz-/Kreislaufzu-

    sammenbruch, Schlaganfall oder gar ein Koma zu erleiden, ist enorm hoch.

  - Betablocker und Sympathomimetika können in Verbindung mit Methamphetamin

    zu Herzkrämpfen (Coronarspasmen) führen.

  - In Kombination mit MAO-Hemmern oder anderen Antidepressiva kann es zu ei-

    ner unkontrollierten Verstärkung oder Verlängerung der Wirkung, einem lebens-

    bedrohlichen Anstieg des Blutdrucks oder auch zu einem lebensbedrohlichen

    Serotoninsyndrom kommen.

  - Mitunter wird zur Behandlung von Amphetaminpsychosen das Antipsychotikum

    (Neuroleptikum) Haloperidol (Haldol®) verwendet, was möglicherweise das Ge-

    hirn irreversibel schädigen kann.

- Personen mit psychischen Vorerkrankungen oder Herz-/Kreislauferkrankungen

  sollten Methamphetamin auf keinen Fall konsumieren!

- Im Notfall den europaweit gültigen Notruf (Nummer: 112) anrufen. Schildere am

  Telefon nur die Symptome und kläre den Rettungsdienst oder Notarzt vor Ort über

  die konsumierten Substanzen auf. Sie unterliegen der Schweigepflicht! Kläre den

  Notarzt darüber auf, daß Methamphetamin konsumiert wurde und daher auf

  die Gabe von Haloperidol (Haldol®) verzichtet werden sollte, da dies sehr ge-

  fährlich sein könnte. Informationen zur Ersten Hilfe bei Drogennotfällen findest

  Du hier.

 

 

Letzte Änderungen: 19.03.2017

Haftungsausschluß:
Eve-rave.org möchte über die gängigsten und bekanntesten (Party-)Drogen aufklären und die damit verbundenen Risiken und Folgen aufzeigen, sowie Tips im Falle von Notsituationen geben. Der Inhalt dieser Seiten soll nicht zum Konsum von Drogen anleiten oder anregen!

Wenngleich die Informationen dieser Seiten nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt wurden, so können Fehler jedoch nicht ausgeschlossen werden. Eve&rave Münster e.V. übernimmt keine Haftung für Schäden, die durch die Verwendung dieser Informationen entstehen.

 

Artikel und Studien zu Methamphetamin

 

Methamphetamin (Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht)

 

Methamphetamin (Wikipedia)

 

Droge im Job: Crystal Meth erobert deutsche Büros (Spiegel Online, 09.03. 2014)

Es hat den Ruf als Party- und Straßen-Droge - doch nach SPIEGEL-Informationen ist Crystal Meth auch im Berufsleben stark verbreitet. Laut einer Studie des Gesundheitsministeriums greifen zudem oft Schüler und Studenten zu den Amphetaminen. Drogenexperten sind beunruhigt.

 

 

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