eve&rave Münster e.V.
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Dextromethorphan (DXM)

 

Chemische Bezeichnung (IUPAC):

(9α,13α,14α)-3-Methoxy-17-methylmorphinan

 

Andere Bezeichnungen:

Dextromethorphan (DXM, bei Medikamenten auch nur DM), (+)-3-Methoxy-N-me- thylmorphinon, (+)-cis-1,3,4,9,10,10α-Hexahydro-6-methoxy-11-methyl-2H-10,4α-iminoethanophenanthren, (9α,13α,14α)-17-Methyl-3-(methyloxy)morphinan, 3-Me- thoxy-17-methyl-9α,13α,14α-morphinan, (...)

 

Handelsnamen:

Basoplex®, Benical®, Benylin® DM, Bexin®, Calmerphan®, Calmesin®, Contac® Erkältungs-Trunk Forte, Delsym®, DexAlone®, Dextrocap®, Dextro.Med®, Duract®, Em-eukal® forte, Emedrin®, Hicoseen®, Hustenstiller-Ratiopharm®, Irotussin®, Lindosan®, NeoTussan®, Nuedexta®, Pretuval®, Pulmofor®, Robitussin®, Silomat® DMP, Tossa-X®, Dr. Rentschler® Tuss Hustenstiller Retardkapseln, Tussastopp®, Vicks® oder Wick® (DayMed Kapseln, Formel 44, Husten-Pastillen, Husten-Sirup, MediNait), (...)

 

 

Szenetypische Bezeichnungen:

Crystal Dex (freie Base, free-base), Robotripping (benannt nach Robotussin®), (...)

 

Dextromethorphan (DXM) wurde vermutlich erstmal in den 1940er-Jahren synthetisiert. Das erste Patent wurde im Jahr 1954 in den USA angemeldet. Ursprünglich wurde DXM als Opioid klassifiziert, da es chemisch eine strukturelle Ähnlich- keit mit Codein aufweist und u.a. als Agonist am Sigma-1- Rezeptor wirkt, der früher fälschlich zu den Opioidrezeptoren gezählt wurde. Mittlerweile zählt DXM nicht mehr zu den Opi- oiden. DXM ist ein hustendämpfender (antitussiver) Arznei- stoff mit euphorisierenden, dissoziativen und halluzinogenen Eigenschaften.

 

DXM hemmt den Abbau der Neurotransmitter Dopamin und Serotonin im Gehirn. Es wird in der Leber durch das Enzym Cytochrom P450 2D6 (CYP 2D6) zu dem bis zu 10-mal stärker wirkenden Dextrorphan (DXO) umgewandelt, welches im Hustenzen- trum des Gehirns den Hustenreiz dämpft und auch primär für die Rauschwirkung verantwortlich ist. Der DXM-Rausch, der wie jener des Ketamis oder Phencyclidins (PCP) auf der antagonistischen Wirkung an NMDA-Rezeptoren beruht, tritt erst bei einer Überdosierung ein, die – genetisch bedingt – individuell bei sehr unterschied- lichen Dosierungen liegen kann.

DXM wurde erstmals von den US-amerikanischen Streitkräften während des Viet- namkrieges (ca. 1955 – 1975) zu Rauschzwecken mißbraucht. Und auch in der Punk-Szene war es in den 1980er-Jahren weit verbreitet. Gegen Ende der 1980er- Jahre ging der mißbräuchliche Konsum zunächst zurück, keimte jedoch in den frü- hen 2000er-Jahren wieder auf. Zur Berauschung werden die hustenstillenden Medi- kamente entweder direkt überdosiert oder das DXM wird zuvor aus diesen extra- hiert. Eine Methode zur Extraktion wird in Szenekreisen als "Agent Lemon" bezeich- net. Das so erhaltene kristalline Endprodukt ist die freie Base, die auch als "Crystal Dex" bezeichnet wird und aufgrund ihres schwer zu kalkulierenden Reinheitsgrades zu schweren Überdosierungen führen kann. Zudem sind auf dem Schwarzmarkt und im Internet DXM-haltige Pillen erhältlich, die deutlich höher als die hustenstillen- den Medikamente dosiert sind.

 

DXM-haltige Medikamente unterliegen dem AMG. Sie sind apothekenpflichtig aber frei verkäuflich.

 

 

Merkmale:

- DXM ist in seiner Reinform ein weißes Pulver.

- Es ist in verschiedenen hustenstillenden Medikamenten (z.B. Hustensäften, -ta-

  bletten, -sprays und -bonbons) enthalten.

- Auf dem Schwarzmarkt sind DXM-haltige Tabletten erhältlich, die im Vergleich zu

  den legalen Produkten aus der Apotheke deutlich höher dosiert sind.

 

 

Gebrauch:

- Peroral

 

 

Wirkung:

- Abhängig von der Dosis hält die Wirkung bis zu 6 Stunden (möglicherweise auch

  länger) an.

- Die Wirkung von DXM ist stark dosisabhängig:

  - In therapeutisch wirksamer Dosierung kann es schwach sedierend wirken.

  - Bei einer Dosis von ca. 1,5 – 2,5 mg/kg Körpergewicht kann es leicht stimulie-

    rend wirken.

  - Bei einer Dosis von ca. 2,5 – 7,5 mg/kg Körpergewicht kann es stimmungsaufhel-

    lend bis euphorisierend, ähnlich einem Alkoholrausch wirken. Bewegung und Mu-

    sik können als sehr angenehm empfunden werden. Die Umwelt wird möglicher-

    weise schon in einer Folge von Einzelbildern erfaßt.

  - Bei einer Dosis von ca. 7,5 – 15 mg/kg Körpergewicht kann eine berauschende,

    psychedelische, cannabis- oder lachgasähnliche Wirkung auftreten. Musik wird

    intensiver wahrgenommen. Es kann zu dissoziativen Effekten, schwachen Hallu-

    zinationen und Störungen des Kurzzeitgedächtnisses kommen. Zudem können

    Störungen beim sensorischen Erfassen der Umwelt auftreten. So scheinen audi-

    tive oder visuelle Eindrücke in einer Art Rückkopplung aufgenommen zu werden,

    was auch als "Flanging" bezeichnet wird.

  - Bei einer Dosis über 15 mg/kg Körpergewicht kann es zu einer vollständigen Dis-

    soziation (Lösung des Geistes vom Körper), ähnlich einer nicht-betäubenden Do-

    sis Ketamin kommen.

  - Ab einer Dosis von 20 – 30 mg/kg Körpergewicht kann eine toxische Überdosie-

    rung mit schwersten gesundheitlichen Schäden auftreten. Vergiftungen können

    jedoch auch schon bei niedrigeren Dosierungen auftreten.

  - Von den meisten Konsumenten wird der DXM-Rausch als sehr unangenehm

    empfunden und endet nicht selten in einem "Horror-Trip".

- Mit zunehmender Dosis steigen auch die Risiken für unangenehme bis gefährliche

  Nebenwirkungen:

  - Im Allgemeinen können die Pulsfrequenz und der Blutdruck steigen und es kann

    zu einer allergischen Reaktion (häufig beim Konsum von Hustensaft) kommen.

  - Bei niedrigen Dosierungen können Magenverstimmungen, Übelkeit, Erbrechen,

    Durchfall, Hitzewallungen und Schwindelgefühle auftreten.

  - Bei höheren, sehr hohen und Überdosierungen sind u.a. erweiterte Pupillen (evtl.

    mit Einbußen in der Sehschärfe), Zähneknirschen (Bruxismus), ein extremer An-

    stieg des Blutdrucks, Herzrhythmusstörungen, Herzrasen, Hyperthermie, Taub-

    heit und Jucken der Haut, Kribbeln (Parästhesie), Harnverhaltung, motorische

    Störungen (unkoordinierte, langsame, weit ausholende Bewegungen) bis zu ei-

    nem vollständigen Verlust der Motorik und des Gleichgewichts, Krämpfe/Krampf-

    anfälle, epileptische Anfälle, charakteristische Veränderungen in der Sprache

    (Wort- und Silbenwiederholungen, verdrehter Satzbau und kurze Sätze), Somno-

    lenz, Bewußtlosigkeit bis hin zum Koma und auch dauerhafte Hirnschäden mög-

    lich. Zudem können Verwirrung, Panikattacken, "Horror-Trips" und psychotische

    Aussetzer oder gar Psychosen (besonders bei hohen Dosierungen) mit Verfol-

    gungswahn (Paranoia) auftreten.

 

 

Gefahren:

- Durch die verminderte Körperkoordination steigt das Verletzungsrisiko erheblich.

- Durch DXM können latente Psychosen zum Ausbruch kommen.

- Durch häufigen Konsum können Depressionen auftreten.

- Häufiger Konsum kann zu einem psychischen Abhängigkeitssyndrom führen, bei

  dem neben den psychischen auch körperliche Entzugssymptome auftreten kön-

  nen.

- Es besteht der Verdacht, daß regelmäßiger, hochdosierter Konsum eine neuro-

  toxische Wirkung hat, die zu irreversiblen Hirnschäden führen kann.

- Werden DXM-haltige Medikamente wie z.B. Hustensäfte zu Rauschzwecken über-

  dosiert, werden die darin je nach Präparat enthaltenen zusätzlichen Inhaltsstoffe

  wie z.B. Norephedrin, Phenylephrin oder Pseudoephedrin ebenfalls und völlig un-

  nötig in erhöhten Dosen (möglicherweise sogar Überdosen) mit konsumiert. Dies

  erhöht die Risiken und Nebenwirkungen im Vergleich zu reinem DXM.

- Bei Personen mit einer pharmakogenetischen Schwäche des Enzyms Cytochrom

  P450 2D6 (CYP 2D6) kann es bereits in therapeutischen Dosen von DXM zu

  Rauschzuständen kommen. Höhere Dosen können bei diesem Personenkreis le-

  bensbedrohlich sein.

- Das Führen eines Fahrzeuges unter dem Einfluß gleich welchem Rauschmittels ist

  grundsätzlich gefährlich und kann – auch wenn dies nicht dem BtMG unterliegt –

  bei Auffälligkeiten im Fahrverhalten oder anderen Ausfallerscheinungen nach

  § 316 StGB (Trunkenheit im Verkehr) mit dem Entzug der Fahrerlaubnis bestraft

  werden.

- Der Konsum von DXM kann über das Blut und den Urin nachgewiesen werden.

 

 

Safer Use:

- DXM ist keine Party- oder Tanz-Droge!

- Konsumiere DXM nur, wenn Du keine Angst vor der Wirkung hast. Die psychische

  Belastung ist nicht unerheblich und kann unerfahrene Konsumenten schnell über-

  fordern.

- Da medizinische Präparate wie Hustensäfte (mit zusätzlichen Wirkstoffen) überdo-

  siert werden müssen, um die gewünschte Rauschwirkung zu erzielen, ist reines

  DXM diesen vorzuziehen.

- Dosiere DXM stets vorsichtig (vor allem beim Erstkonsum!) und lege nicht übereilt

  nach. DXM ist ab einer bestimmten Dosis, die individuell sehr verschieden sein

  kann, sehr giftig.

- Halte längere Konsumpausen ein.

- Konsumiere DXM nicht allein! Es sollte immer ein nüchterner Begleiter anwesend

  sein, der aufpaßt, daß Du Dich nicht verletzt (z.B. durch einen Sturz), und in einem

  Notfall Hilfe hohlen/leisten kann.

- Vermeide grundsätzlich den Mischkonsum mit anderen Rauschmitteln oder Medi-

  kamenten, um die erheblichen Nebenwirkungen von DXM nicht noch durch zusätz-

  liche andere Neben- oder Wechselwirkungen zu verstärken. Dies erhöht die Wahr-

  scheinlichkeit für lebensbedrohliche Komplikationen:

  - In Kombination mit Alkohol erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, daß einem übel

    wird und man sich übergeben muß.

  - In Kombination mit Cannabis kann sich die Wirkung des DXM verstärken.

  - Die Kombination mit LSD, Ketamin oder Mescalin kann eine erhebliche psychi-

    sche Belastung darstellen und unkalkulierbare Rauschzustände hervorrufen. Zu-

    dem erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für gesundheitliche Schäden.

  - In Kombination mit MDMA (Ecstasy) besteht ein extrem hohes Risiko, ein lebens-

    bedrohliches Serotoninsyndrom auszulösen, da einerseits MDMA die Ausschüt-

    tung des Neurotransmitters Serotonin fördert und DXM andererseits den Abbau

    von Serotonin hemmt, was schnell zu einer Überstimulation führen kann. Zudem

    werden beide Substanzen durch das gleiche Enzym in der Leber abgebaut, was

    diese stark belasten kann.

  - In Kombination mit bestimmten Antidepressiva (MAO-Hemmern und Selektiven

    Serotonin-Wiederaufnahmehemmern, SSRI) besteht die Gefahr eines lebensbe-

    drohlichen Serotoninsyndroms.

  - In Kombination mit bestimmten Antihistaminika (Mittel gegen Allergien) wie z.B.

    Dimenhydrinat, Diphenhydramin oder Terfenadin kann es zu lebensbedrohlichen

    Komplikationen kommen.

  - In Kombination mit bestimmten Diätmitteln (Anorektika) wie z.B. Fenfluramin (Re-

    dux®) oder Phentermin besteht die Gefahr eines lebensbedrohlichen Serotonin-

    syndroms.

  - In Kombination mit Beruhigungs- oder Schlafmitteln besteht die Gefahr, daß sich

    die sedierenden und atemdepressiven Wirkungen verstärken, was zu einem

    Atemstillstand führen kann.

  - In Kombination mit Paracetamol sind Todesfälle bekannt.

  - Wird DXM konsumiert, sollten keine Grapefruits oder andere Zitrusfrüchte sowie

    bestimmte Nicht-Zitrusfrüchte konsumiert werden, da deren Inhaltsstoffe die zum

    Abbau des DXM benötigten Enzyme in der Leber hemmen können.

- Personen mit Herz-/Kreislaufproblemen, Bluthochdruck, Lebererkrankungen,

  Atemproblemen und Asthma sowie psychischen Erkrankungen sollten auf den

  Konsum von DXM in berauschenden Dosierungen verzichten.

- Im Notfall den europaweit gültigen Notruf (Nummer: 112) anrufen. Schildere am

  Telefon nur die Symptome und kläre den Rettungsdienst oder Notarzt vor Ort über

  die konsumierten Substanzen auf. Sie unterliegen der Schweigepflicht!

  Informationen zur Ersten Hilfe bei Drogennotfällen findest Du hier.

 

 

Letzte Änderungen: 01.02.2016

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Artikel und Studien zu Dextromethorphan (DXM)

 

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