eve&rave Münster e.V.
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Sildenafil (Viagra®)

 

Chemische Bezeichnung (IUPAC):

5-{2-Ethoxy-5-[(4-methyl-1-piperazinyl)sulfonyl]phenyl}-1-methyl-3-propyl-1,4-dihy-dro-7H-pyrazolo[4,3-d]pyrimidin-7-on

 

Andere Bezeichnungen:

Sildenafil (Sildenafilcitrat), (...)

 

Handelsnamen:

Viagra®, Caverta®, Kamagra®, Revatio®, Silagra®, Vigoran®, (...)

 

Szenetypische Bezeichnungen:

Blue Diamonds (für Viagra® aufgrund von Farbe und Form), (...)

 

Sildenafil ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Phosphodi-esterase-5-Inhibitoren (PDE-5-Inhibitoren oder PDE-5-Hem- mer) und wirkt u.a. gefäßerweiternd. Bekannt wurde der Wirkstoff im Jahr 1998 als das Pharmaunternehmen Pfizer das Potenzmittel Viagra® auf den Markt brachte, welches bei erektiler Dysfunktion (Erektionsstörungen) eingesetzt werden kann. Diese Wirkung wurde zufällig entdeckt, als der Wirk- stoff auf seine Anwendung als Mittel gegen arterielle Hyper- tonie (Bluthochdruck) und Angina pectoris untersucht wurde. Seit 2006 ist Sildenafil auch als Mittel gegen idiopathische pulmonal-arterielle Hypertonie zugelassen. Wei- tere potentielle Anwendungsgebiete von Sildenafil am Menschen sind bronchopul- monale Dysplasie, Höhenkrankheit, Mukoviszidose, Raynaud-Syndrom, Schlagan- fall und Sklerodermie. Gibt man Sildenafil zu Schnittblumen ins Wasser verlängert es deren Überlebenszeit signifikant. Sildenafil richtet also nicht nur einen schlaffen Penis auf sondern läßt auch Schnittblumen länger stehen – ein Traum für alle Frau- en!

Damit sich bei einem Mann eine Erektion aufbaut, muß u.a. Stickstoffmonoxid (NO), ein biomembrangängiges Gas, welches im Körper u.a. bei der Signaltransduktion im Nerven- und Gefäßsystem fungiert, im Schwellkörper (Corpus cavernosus) freige- setzt werden. Das gelöste Gas aktiviert das Enzym Guanylcyclase, was zu einer vermehrten Bildung von cyclischem Guanosinmonophosphat (cGMP) führt. Der Se- cond Messenger cGMP wiederum wirkt entspannend auf die ringförmigen Muskeln der Arterienwände der Schwellkörper, wodurch vermehrt Blut in diese einströmt, was schlußendlich zu einer Erektion des Penis führt. Sildenafil hemmt das für den cGMP-Abbau benötigte Enzym PDE-5, wodurch der Blutstrom in die Schwellkörper aufrecht erhalten bleibt. Eine Voraussetzung für eine Erektion bleibt jedoch sexuelle Stimulation. Ohne diese bleibt auch mit Sildenafil eine Erektion aus. Auch andere Potenzmittel wie z.B. die Arzneistoffe Avanafil (Spedra®, Stendra®), Tadalafil (Cia- lis®) und Vardenafil (Levitra®) wirken nach dem gleichen Prinzip.

Sildenafil brachte bei seiner Markteinführung (vor allem durch seine unkomplizierte Anwendung) zunächst in vielen Partnerschaften, bei denen der Mann unter erektiler Dysfunktion litt, ein erfülltes Sexualleben zurück. Es mehrten sich jedoch auch die Beschwerden von Frauen, die sich an das nicht mehr vorhandene Sexualleben ge- wöhnt hatten, daß ihre Männer nun aktiver sein wollten, als es ihnen lieb war. Seit- dem geht der Verschreibung von Sildenafil häufig eine Beratung unter Einbeziehung der Partnerinnen voraus.

Seit Ende der 1990er-Jahre ist Sildenafil auch im Internet und auf dem Schwarz- markt erhältlich, da sich von Beginn an viele Mythen um diesen Arzneistoff rankten. So soll es angeblich die Libido stärken, den Penis vergrößern oder die Qualität der Erektion verbessern. All dies konnte jedoch von Seiten der Wissenschaft nicht be- stätigt werden. Lediglich die Zeit bis zur erneuten Ejakulationsfähigkeit scheint sich zu verkürzen. Dennoch wird Sildenafil von vielen Männern ohne medizinische Not- wendigkeit verwendet. Und auch Sportler erhoffen sich durch die Einnahme von Sil- denafil eine erhöhte Leistungsfähigkeit, was ebenfalls zu bezweifeln ist. Außerdem scheint der Einsatz von Sildenafil auch bei männlichen Pornodarstellern weit ver- breitet zu sein.

Bis Mitte 2013 wurden weltweit rund 37 Millionen Männern 1,8 Milliarden Tabletten verschrieben, was Pfizer einen Umsatz von ca. 24,8 Milliarden US-Dollar bescherte. Aus einem Kilogramm Sildenafilcitrat (Kosten ca. 650 €) lassen sich ca. 20.000 Ta- bletten herstellen, was einem Verkaufswert von ca. 240.000 € entspricht; der Materi- aleinsatz beträgt also lediglich ca. 0,26 % oder ca. 0,03 € pro Tablette. Dies erklärt auch die geringen Preise für Generika, die seit dem Ablauf des Patentschutzes (in Deutschland seit dem 22.06.2013) erhältlich sind.

Sildenafil ist der erste Arzneistoff, der nachweislich dem Artenschutz zu Gute kam. So ging seit der Einführung von Viagra® die Jagd auf bedrohte Arten, welche in der traditionellen asiatischen Medizin als Potenzmittel verwendet werden, zurück.

 

Wird Sildenafil (Viagra®) in Kombination mit MDMA (Ecstasy) eingenommen spricht man im Szenejargon auch von "Sextasy" oder "p&p" (party and play). Sildenafil kann auch als Beimischung in MDMA-haltigen Ecstasy-Tabletten enthalten sein.

 

Sildenafil unterliegt dem AMG und ist sowohl in Deutschland als auch in Österreich und der Schweiz verschreibungspflichtig.

 

 

Merkmale:

- Tabletten und Kautabletten in verschiedenen Farben und Formen (je nach Herstel-

   ler). Das Medikament Viagra® ist als hellblaue rautenförmige Tablette mit dem

   Aufdruck "Pfizer" bekannt.

 

 

Gebrauch:
- Oral (gekaut oder direkt geschluckt)

- Die wirksame Dosis kann je nach Krankheitsbild 25, 50 oder 100 mg betragen.

- Vor der Einnahme sollte man(n) keine fettreiche Nahrung zu sich nehmen, da hier-

  durch der Abbau verzögert aber auch die Wirkung verringert wird.

 

 

Wirkung:
- Die Wirkung tritt nach ca. 15 Minuten – 1 Stunde ein und hält ca. 4 – 5 Stunden

  an. Ohne sexuelle Stimulation tritt jedoch keine Erektion auf.

- Die Zeit bis zur erneuten Ejakulationsfähigkeit scheint sich zu verkürzen.

- Als Nebenwirkungen können Kopfschmerzen, Magenbeschwerden, Verdauungs-

  störungen, Schnupfen (Rhinitis), eine verstopfte Nase, Rötungen im Gesicht, Ver-

  änderungen in der visuellen Wahrnehmung (z.B. blaue Schleier, erhöhte Lichtemp-

  findlichkeit), verringertes Reaktionsvermögen, Schwindel, Rücken- und Muskel-

  schmerzen auftreten. Zudem existieren Hinweise, daß Hörstörungen auftreten

  können.

 

 

Gefahren:

- Es kann eine schmerzhafte Dauererektion (Priapismus) auftreten, die bei Nichtbe-

  handlung zu einer Erektionsstörung (erektile Dysfunktion) führen kann.

- Es kann eine nichtarteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie (Augen-

  infarkt) – kurz NAAION – auftreten, die zu einer dauerhaften Beeinträchtigung des

  Sehvermögens oder im schlimmsten Fall zu einer Erblindung führen kann.

- Bei Menschen mit koronaren Herzerkrankungen kann die hohe Herz-/Kreislaufbe-

  lastung beim Geschlechtsverkehr u.U. zum Herzinfarkt führen.

- Sildenafil sollte niemals parallel mit nitrathaltigen Medikamenten (z.B. Nitrolingual-

  Spray) oder Stickstoffmonoxid-Donatoren (z.B. Amylnitrit bzw. Poppers) eingenom-

  men werden. In beiden Fällen kann es durch einen starken Blutdruckabfall zu ei-

  nem lebensbedrohlichen Herz-/Kreislaufversagen kommen.

- Sildenafil wird durch die Enzyme Cytochrom P450 3A4 (CYP 3A4) und Cytochrom

  P450 2C9 in der Leber verstoffwechselt. Werden gleichzeitig Substanzen konsu-

  miert, die durch die gleichen Enzyme verstoffwechselt werden (z.B. Cimetidin, Ery-

  thromycin, Itraconazol, Ketoconazol oder Saquinavir), könnten sich giftige Stoff-

  wechselzwischenprodukte (Metabolite) in der Leber oder im Körper anreichern

  bzw. sich die Wirkungen beider Substanzen aufgrund der zu geringen Enzymmen-

  ge verlängern. Des weiteren können Substanzen, die hemmend auf diese Enzyme

  wirken (z.B. Ritonavir, ein CYP 3A4-Inhibitor), den Plasmaspiegel von Sildenafil

  gefährlich erhöhen und dessen Wirkdauer erheblich verlängern.

- Todesfälle nach dem Konsum von Sildenafil scheinen – soweit nachvollziehbar –

  stets auf Mischkonsum mit kontraindizierten Substanzen zurückzuführen zu sein.

- Beim Bezug über das Internet oder den Schwarzmarkt besteht die Gefahr verun-

  reinigte Produkte zu erwerben, was die Risiken erheblich erhöhen kann.

 

 

Safer Use:

- Ein gesunder Mann ohne Potenzprobleme sollte auf den Konsum von Sildenafil

  und vergleichbaren Substanzen verzichten! Zudem sind viele Potenzprobleme

  nicht auf organische Erkrankungen/Störungen zurückzuführen, sondern psychi-

  scher Natur (z.B. Leistungsdruck, Streß oder Versagensängste).

- Beim Konsum von Potenzmitteln aus der Gruppe der PDE-5-Hemmer wie z.B.

  Avanafil, Sildenafil, Tadalafil oder Vardenafil sollte der Mischkonsum mit den fol-

  genden Substanzen/Substanzgruppen unbedingt unterbleiben:

  - In Kombination mit kreislaufdämpfenden Rauschmitteln wie GHB/GBL/BDO oder

    Ketamin ist ein lebensbedrohliches Herz-/Kreislaufversagen möglich.

  - In Kombination mit nitrathaltigen Medikamenten (z.B. Nitrolingual-Spray) oder

    Stickstoffmonoxid-Donatoren (z.B. Amylnitrit bzw. Poppers) kann es durch einen

    starken Blutdruckabfall zu einem lebensbedrohlichen Herz-/Kreislaufversagen

    kommen.

  - In Kombination mit Substanzen, die die abbauenden Enzyme hemmen (z.B. Rito-

    navir), kann sich der Plasmaspiegel des Potenzmittels gefährlich erhöhen und

    dessen Wirkdauer erheblich verlängern.

  - In Kombination mit Substanzen, die durch die gleichen Enzyme abgebaut werden

    (z.B. CimetidinErythromycin, Itraconazol, Ketoconazol oder Saquinavir), könnten

    sich giftige Stoffwechselzwischenprodukte im Körper anreichern.
- Männer mit Herz-/Kreislauferkrankungen sollten nur nach Rücksprache mit ihrem

  behandelnden Arzt Potenzmittel verwenden!

- Im Notfall den europaweit gültigen Notruf (Nummer: 112) anrufen. Schildere am

  Telefon nur die Symptome und kläre den Rettungsdienst oder Notarzt vor Ort über

  die konsumierten Substanzen auf. Sie unterliegen der Schweigepflicht!

  Informationen zur Ersten Hilfe bei Drogennotfällen findest Du hier.

 

 

Letzte Änderungen: 18.01.2016

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