eve&rave Münster e.V.
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Sympathomimetika

 

Sammelbegriff für verschiedene Substanzen einer Wirkstoffgruppe

 

Synthetische Substanzen:

4-Methylaminorex, Ameziniummetilsulfat, Amphetamin (Speed), BZP, Clenbuterol, Dobutamin, Dopexamin, Etilefrin, Fenoldopam, Fenoterol, Formoterol, Indacaterol, Isoprenalin, Lisdexamfetamin, Maprotilin, MDMA (Ecstasy), MDPV, Metaraminol, Methamphetamin (Crystal), Methcathinon (CAT), Methylphenidat, Naphazolin, Norfenefrin, Orciprenalin, p-Synephrin (Oxedrin), Oxilofrin, Oxymetazolin, Pemolin, Phenmetrazin, Phenylephrin, Propylhexedrin, Reproterol, Salbutamol, Salmeterol, Tetryzolin, Tramazolin, Xylometazolin, (...)

 

Natürlich vorkommende Substanzen:

Cathinon, Ephedrin, Kokain, Norephedrin, Norpseudoephedrin oder Cathin, Pseudoephedrin, Synephrin, (...)

 

Szenetypische Bezeichnungen:

(je nach Substanz)

 

Sympathomimetika (oder Sympathikomimetika) bilden eine Wirkstoffgruppe, die stimulierend auf den sympathischen Teil des vegetativen Nervensystems (den Sympathikus) wirken, was u.a. den Blutdruck und die Herzfrequenz erhöht, die Bronchien weitet, den Energieverbrauch erhöht und hier- durch die allgemeine Leistungsfähigkeit steigert. Zudem un- terdrücken sie das Hungergefühl und wirken euphorisierend. Daher finden auch einige sympathomimetisch wirkende Sub- stanzen als Antidepressiva ihre Anwendung.

Es gibt sowohl synthetisch hergestellte als auch natürlich vorkommende sympatho-mimetisch wirkende Substanzen. Zu den natürlichen zählen u.a. Cathinon (z.B. in Catha edulis), Ephedrin (z.B. in Ephedra spp.), Kokain (in Erythroxylum spp.), Nor- ephedrin (z.B. in Catha edulis und Ephedra spp.), Norpseudoephedrin oder Cathin (z.B. in Catha edulis und Ephedra spp.), Pseudoephedrin (z.B. in Ephedra spp.) oder Synephrin (z.B. in Citrus × aurantium).

Sympathomimetika lassen sich aber auch in verschiedene Wirktypen einteilen: in di- rekte und indirekte Sympathomimetika, in adrenerge und dopaminerge Sympatho- mimetika sowie die andrenergen nochmals in rezeptorspezifische α- und β-Sympa- thomimetika (und diese nochmals in α1-, α2-, β1- und β2-Sympathomimetika). Direk- te adrenerge Sympathomimetika wirken durch die Aktivierung von Adrenozeptoren, indem sie die Wirkung des Streßhormons Adrenalin und des Neurotransmitters Nor- adrenalin als Agonisten nachahmen, wobei bestimmte Wirkstoffe bevorzugt an α1-, α2-, β1- oder β2-Adrenozeptoren oder auch an mehrere dieser Rezeptortypen bin- den. Dopaminerge Sympathomimetika (z.B. Fenoldopam) wirken als Agonisten am Dopamin-D1-Rezeptor. Indirekte Sympathomimetika hingegen sind Substanzen, welche die Konzentration der körpereigenen Botenstoffe im synaptischen Spalt durch vermehrte Ausschüttung oder eine Wiederaufnahmehemmung erhöhen. Eine strikte Trennung zwischen direkten und indirekten Sympathomimetika sowie – inner- halb der andrenergen Sympathomimetika – einer α1-, α2-, β1- oder β2-Rezeptorwir- kung ist jedoch nur tendenziell möglich, da die meisten Wirkstoffe nicht ausschließ- lich nur an einen Rezeptortyp binden.

Direkte α-Sympathomimetika werden heutzutage überwiegend lokal zur Gefäßver-engung (Vasokonstriktion) eingesetzt und sind u.a. in Nasensprays enthalten, um die Nasenschleimhaut bei Schnupfen abschwellen zu lassen (z.B. Naphazolin, Oxy- metazolin, Phenylephrin, Tetryzolin, Tramazolin oder Xylometazolin). Bei peroral verabreichten α-Sympathomimetika stehen die blutdruckstabilisierenden Eigen-schaften im Vordergrund.

Zur Behandlung bestimmter Lungenerkrankungen werden vor allem β2-Sympatho-mimetika in Form von Inhalationsmitteln eingesetzt. Hierdurch wirken sie gezielt an der Bronchialmuskulatur, was insbesondere bei Asthmatikern oder COPD-Patienten eine atemwegsweitende Wirkung hat. Sie werden unterteilt in schnellwirksame (Rapid Acting Beta Agonists, RABA), kurzwirksame (Short Acting Beta Agonists, SABA), langwirksame (Long Acting Beta Agonists, LABA) und sehr langwirksame (ultra Long Acting Beta Agonists, uLABA). Die schnell wirksamen Substanzen (z.B. Fenoterol, Reproterol oder Salbutamol) werden vorwiegend in der Akuttherapie von obstruktiven Atemwegserkrankungen eingesetzt, die langwirksamen Substanzen (z.B. Formoterol oder Salmeterol) hingegen in der Dauertherapie, wo sie zur Pro- phylaxe von Asthmaanfällen dienen. Die sehr langwirksamen Substanzen (z.B. In- dacaterol) müssen nur noch einmal täglich genommen werden. Ein Wirkstoff, der sowohl an β1- als auch an β2-Adrenozeptoren wirkt, ist Orciprenalin. Eine Sonder-stellung nehmen bestimmte Betablocker ein, da die Substanzen dieser Wirkstoff-gruppe eigentlich β-Adrenozeptoren blockieren. Aufgrund ihrer großen strukturellen Ähnlichkeit zu den β-Sympathomimetika, besitzen jedoch einige dieser Substanzen auch eine unerwünschte, geringfügig erregende (agonistische) Wirkung auf β-Adre-nozeptoren, was auch als intrinsische sympathomimetische Aktivität (ISA) oder par- tielle agonistische Aktivität (PAA) bezeichnet wird.

Aus der Gruppe der Sympathomimetika, die sowohl an α- als auch an β-Adrenozep- toren wirken, werden zu therapeutischen Zwecken überwiegend Katecholamin-Deri- vate eingesetzt, wobei deren jeweilige Rezeptorbindungsaffinitäten substanzspezi- fisch sind und hierdurch auch spezifische Anwendungsmöglichkeiten bestehen. Häufig eingesetzte Substanzen sind u.a. die körpereigenen Botenstoffe Adrenalin, Dopamin und Noradrenalin sowie körperfremde Substanzen wie z.B. Amezinium-metilsulfat, Etilefrin, Metaraminol, Norephedrin, Oxilofrin oder die Dopamin-Derivate Dobutamin und Dopexamin.

Aufgrund ihrer leistungssteigernden und euphorisierenden Wirkung sind viele syn- thetische und natürlich vorkommende sympathomimetisch wirkende Substanzen wie z.B. Amphetamin (Speed), Ephedrin, Kokain, MDMA (Ecstasy), Methampheta- min (Crystal) oder Methcathinon (CAT) auch beliebte Partydrogen. Zudem werden einige Substanzen auch im Sport oder Alltag als Dopingmittel mißbräuchlich ver- wendet. Einige β2-Sympathomimetika (z.B. Clenbuterol) werden z.B. aufgrund ihrer teils anabolen Wirkung auch als Anabolika und in der Tiermast mißbraucht.

 

Die meisten Sympathomimetika sind rezeptpflichtig. Sie unterliegen teils dem Arz- neimittelgesetz (AMG) und teils dem BtMG. Herstellung, Einfuhr, Erwerb, Besitz (ohne Rezept) und Weitergabe/Handel sind in beiden Fällen strafbar! Zudem ste- hen die meisten β2-Sympathomimetika auf der Dopingliste.

 

Merkmale (allgemein):

- Je nach Anwendungsgebiet sind Sympathomimetika u.a. als Tabletten, Kapseln,

  Tropfen, Injektionslösungen, Inhalationsmittel oder Nasensprays erhältlich.

 

 

Gebrauch (allgemein):

- Die Dosierung ist abhängig vom Präparat.

- Bei β2-Sympathomimetika zur Behandlung der Lunge sind Inhalationen gegenüber

  Tabletten zu bevorzugen, da sie zum einen direkt am Ort wirken und zum anderen

  hierdurch auch nur niedrigere Dosen benötigt werden. Dies mindert die Nebenwir-

  kungen.

 

 

Wirkung (allgemein):

- Der Blutdruck und die Herzfrequenz steigen, die Bronchien weiten sich und der

  Energieverbrauch ist erhöht, was zu einer allgemeinen Leistungssteigerung führt.

- Das Hungergefühl ist unterdrückt.

- Es können euphorische Gefühle auftreten.

- Bei β2-Sympathomimetika kann es u.a. zu Herzrasen (Tachykardie), Schwitzen,

  Unruhe und Tremor kommen.

 

 

Gefahren (allgemein):

- Der Blutdruck kann sich stark erhöhen.

- Werden α-Sympathomimetika in feine Körperanhänge wie z.B. Finger, Zehen oder

  Ohren gespritzt, kann die blutgefäßverengende Wirkung zum Absterben von die-

  sen führen.

- Der durch β2-Sympathomimetika beschleunigte Herzschlag steigert den Sauer-

  stoffverbrauch, was zu einer Sauerstoffunterversorgung der Herzmuskelzellen füh-

  ren kann. Dies kann Angina pectoris auslösen.

- β2-Sympathomimetika können den Calciumspiegel des Blutes senken, was zu

  Herzrhythmusstörungen führen kann.

- Das Führen eines Fahrzeuges unter dem Einfluß gleich welchem Rauschmittels ist

  grundsätzlich gefährlich und kann – auch wenn dies nicht dem BtMG unterliegt –

  bei Auffälligkeiten im Fahrverhalten oder anderen Ausfallerscheinungen nach

  § 316 StGB (Trunkenheit im Verkehr) mit dem Entzug der Fahrerlaubnis bestraft

  werden.

 

 

Safer Use (allgemein):

- Viele Substanzen aus der Wirkstoffgruppe der Sympathomimetika sind aufgrund

  ihrer leistungssteigernden und euphorisierenden Wirkung beliebte Partydrogen

  und Dopingmittel. Vor der Einnahme sollte man sich immer gründlich über die sub-

  stanz- und präparatspezifische Dosierung sowie über die Neben- und Wechselwir-

  kungen informieren! Im Fall von Schwarzmarkt-Substanzen sollte man sich der

  zusatzlichen Risiken (z.B. unbekannte Dosis oder zusätzliche Inhaltsstoffe) be-

  wußt sein und immer sehr vorsichtig dosieren und nicht übereilt nachlegen!

- Vermeide Mischkonsum:

  - Die Kombination von mehreren sympathomimetisch wirkenden Substanzen wie

    z.B. bestimmte Partydrogen [u.a. Amphetamin (Speed), Methamphetamin (Crys-

    tal), MDMA (Ecstasy) oder Kokain] mit therapeutisch verordneten Sympathomi-

    metika oder bestimmten Betablockern kann zu einer starken Erhöhung der Dopa-

    min-Konzentration im Gehirn führen. Hierdurch können starke Beeinträchtigun-

    gen in der Atmung und erhebliche Belastungen des Herz-/Kreislaufsystems auf-

    treten, was u.a. zu Herzkrämpfen (Coronarspasmen) führen kann. In Kombination

    mit Kokain kann es zu einem erheblichen Anstieg des Blutdrucks kommen. Der-

    artige Kombinationen können im Extremfall tödlich enden!

- Als Partydroge gebraucht, sollte vom regelmäßigen Konsum abgesehen und zu-

  mindest mehrwöchige Konsumpausen eingehalten werden!

- Schwangere und stillende Mütter sollten Sympathomimetika nur nach ärztlicher

  Rücksprache einnehmen, da es zu Schäden beim Kind kommen kann.

- Im Notfall den europaweit gültigen Notruf (Nummer: 112) anrufen. Schildere am

  Telefon nur die Symptome und kläre den Rettungsdienst oder Notarzt vor Ort über

  die konsumierten Substanzen auf. Sie unterliegen der Schweigepflicht!

  Informationen zur Ersten Hilfe bei Drogennotfällen findest Du hier.

 

 

Letzte Änderungen: 31.03.2017

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