eve&rave Münster e.V.
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Ephedra (& Ephedrin)

(Ephedra spp.)

 

Chemische Bezeichnung des Hauptwirkstoffs Ephedrin (IUPAC):

(1R,2S)-2-(Methylamino)-1-phenyl-1-propanol

 

Andere Bezeichnungen:

Ephedrin, Efedrin, L-(-)-Ephedrin, (1R,2S)-Ephedrin, (-)-(1R,2S)-Ephedrin, (1R,2S)-2-Methylamino-1-phenylpropan-1-ol, Biophedrin, Eciphin, Ephedral, Ephedremal, Ephedrital, Ephedrol, Ephedrosan, Ephedrotal, Ephedsol, Ephendronal, Ephoxamin, Fedrin, Kratedyn, Lexofedrin, Manadrin, Mandrin, Nasol, Vencipon, Zephrol, (...)

 

Handelsnamen:

Caniphedrin® (für Hunde), Helopyrin®, Kerneol®, (...)

 

Vorkommen des Wirkstoffs in der Natur:

Pflanzen aus der Gattung Ephedra (Meerträubel) wie z.B. Ephedra distachya, Ephe- dra equisetina, Ephedra intermedia, Ephedra lomatolepis, Ephedra monosperma, Ephedra nevadensis, Ephedra regeliana und Ephedra sinica.

 

Szenetypische Bezeichnungen:
(keine)

 

Die Pflanzengattung Ephedra (Meerträubel) zählt mit ihren ca. 35 – 70 Arten zur Familie der Ephedraceae (Meerträubel- gewächse). Die Pflanzen sind quasi weltweit verbreitet, wachsen aber überwiegend in trockenen, sandigen und häu- fig sehr heißen Gebieten wie z.B. den Küsten des Mittel- meerraums, in Nordchina oder in Südwestamerika. Einige Arten zählen zu den ältesten bekannten psychoaktiven Heil- pflanzen der Erde. Erste sichere Hinweise für deren gezielte Anwendung bei be- stimmten Krankheiten finden sich bereits um das Jahr 5000 v. Chr.. Möglicherweise war Ephedra auch Bestandteil oder der einzige Inhaltsstoff des im indischen Rigve- da als Soma (Rauschtrank der Götter) bezeichneten Tranks, der bei Opferungen ri- tuelle Anwendung fand. In der europäischen Literatur wurde Ephedra erstmals im Jahre 1557 erwähnt.

Die beiden psychoaktiven Hauptwirkstoffe dieser Pflanzengattung sind die Alkaloide Ephedrin (erstmals im Jahre 1881 aus Ephedra distachya isoliert) und Pseudoephe- drin, welche jedoch nicht jeweils in allen Arten (in wirksamen Mengen) vorkommen. So enthält z.B. Ephedra sinica eine Ephedrin-Konzentration von ca. 10 – 42 mg/g, Ephedra equisetina von ca. 22 – 49 mg/g, Ephedra intermedia von ca. 5 – 18 mg/g, Ephedra lomatolepis von ca. 13,6 mg/g, Ephedra monosperma von ca. 28 mg/g und Ephedra regeliana von ca. 20 – 32 mg/g. Zudem können auch andere psychoaktive Substanzen wie die dem Ephedrin sehr ähnlichen Substanzen Methyl- ephedrin, Methylpseudoephedrin, Norephedrin und Norpseudoephedrin (Cathin) enthalten sein. Hinzu kommen diverse Gerbstoffe. Der Gesamtalkaloidgehalt des getrockneten Pflanzenmaterials schwankt meist zwischen ca. 0,5 und 4,0 %, wobei – je nach Art und der Erntezeit – auch höhere Werte von bis zu ca. 6 % möglich sind.

Ephedrin und Pseudoephedrin sowie deren Derivate sind innerhalb der Stoffgruppe der Phenylethylamine nahe verwandt mit den Amphetaminen und haben Ähnlichkeit mit dem körpereigenen Hormon Adrenalin, wodurch sie ab einer bestimmten Dosis ähnlich sympathomimetisch (u.a. stimulierend) auf den Körper wirken. Ephedra-Pro- dukte wirken im Allgemeinen stimulierend, appetitdämpfend, entwässernd, gefäß- verengend und krampflösend auf die Bronchien.

Das auch unter der Bezeichnung "Herba Ephedra" u.a. als Tee vertriebene Pflan- zenmaterial, besteht aus den getrockneten, im Herbst gesammelten, jungen, schachtelhalmartigen Rutenzweigen diverser Ephedra-Arten. Der Tee wird auch un- ter den Bezeichnungen (Nevada)-Mormonentee (aus Ephedra nevadensis), Brig- hamtee, Mexikanischer Tee oder Ma-Huang (alte chinesische Bezeichnung) gehan- delt. Zudem wird Ephedra im Internet und in Smartshops häufig auch als sogenann- te "Smart Drug" angeboten, wobei das Pflanzenmaterial dann zumeist in Form von Kapseln vorliegt. Ephedra kann aber auch ein Bestandteil von Kräutermischungen sein, die u.a. als "Herbal Ecstasy" in Form von Tabletten, Kapseln, Tropfen oder auch Kaugummis angeboten werden.

Neben dem natürlichen, in Pflanzen enthaltenen Ephedrin wird Ephedrin auch in Form des Ephedrinhydrochlorids, welches früher u.a. in vielen Medikamenten ge- gen Husten und Asthma enthalten war, synthetisch hergestellt. Da Ephedrin appetit- zügelnd und fettverbrennend wirkt, war es auch in stark variierenden Konzentratio- nen in eineigen Schlankheitsmitteln und Bodybuilding-Präparaten enthalten.

Mittlerweile wurden ephedrinhaltige Medikamente in vielen Ländern vom Markt ge- nommen, da zum einen heutzutage besser verträgliche Wirkstoffe verfügbar sind und zum anderen Ephedrin als Grundstoff zur Synthese bestimmter Drogen miß- braucht werden kann.

 

Bis zum Jahr 2001 waren ephedrin- und ephedrahaltige Produkte in Deutschland frei verkäuflich in Apotheken erhältlich. Danach wurde dies aufgrund des zuneh- menden Mißbrauchs als Partydroge und Appetitzügler geändert. Seit dem 01.04. 2006 werden sowohl Ephedrin als auch ephedrinhaltige Ephedra-Arten sowie Zube- reitungen aus diesen (mit Ausnahme der homöopathischen Verdünnung D1) in Deutschland als rezeptpflichtige Arzneimittel eingestuft und unterliegen dem AMG. Zudem unterliegen sowohl Ephedra als auch Ephedrin der Kategorie I des Grund- stoffüberwachungsgesetzes (GÜG), da Ephedrin u.a. als Grundstoff zur Herstellung von Methamphetamin (Crystal) dienen kann. Der Handel mit diesen Produkten ist somit eingeschränkt. Außerdem steht Ephedrin auf der Dopingliste.

 

 

Merkmale:

- Pflanzliches Material als Tee oder pulverisiert in Kapseln.

- Synthetisches Ephedrin ist auch in Form von Tabletten, Kapseln und Tropfen er-

  hältlich.

 

 

Gebrauch:

- Der Tee wird mit heißem Wasser übergossen und getrunken.

- Tabletten, Kapseln oder Tropfen werden geschluckt.

 

 

Wirkung:

- Die Wirkung setzt bei Kapseln nach ca. 20 – 40 Minuten und bei Tee nach ca. 30 –

  60 Minuten ein und hält bis zu 8 Stunden (selten länger) an.

- Ephedrin wirkt appetitdämpfend, kreislaufstimulierend, antriebs- und leistungsstei-

  gernd, aber auch entspannend und kann bei manchen Menschen leicht aphrodi-

  sierend wirken. Es erhöht den Bewegungsdrang, die Aufmerksamkeit und das Mit-

  teilungsbedürfnis.

- In höherer Dosierung ähnelt die Wirkung jeder von Amphetamin (Speed) und wird

  von einigen Konsumenten auch mit jener von MDMA (Ecstasy) verglichen, jedoch

  jeweils wesentlich schwächer.

- Bereits in niedriger Dosierung können erweiterte Pupillen, Mundtrockenheit, Herz-

  klopfen, Unruhe und Schlafstörungen auftreten.

- Mit steigender Dosis kann es zudem zu Appetitlosigkeit, Schweißausbrüchen, Be-

  klemmungsgefühlen, Nervosität, Zittern, Krämpfen, Schwindel, Schlaflosigkeit,

  psychischen Veränderungen, erhöhtem Blutdruck, Herzrasen (Tachykardie) und

  Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzinfarkt kommen.

- Bei einer Überdosierung können Verwirrung und Verfolgungswahn (Paranoia) auf-

  treten.

- Die in dem Pflanzenmaterial enthaltenen Gerbstoffe können in größeren Mengen

  Magenbeschwerden hervorrufen.

 

 

Gefahren:

- Der Konsum von Ephedrin kann zu gesundheitlichen Schäden wie z.B. einem

  Herzinfarkt führen. Es sind viele Fälle dokumentiert, wo Personen durch den Kon-

  sum von Ephedrin zu Schaden gekommen sind.

- Häufiger Konsum führt zu einer Toleranzentwicklung, wodurch höhere Dosen be-

  nötigt werden, um die gleiche Wirkung zu erreichen. Zudem kann sich ein soge-

  nannter Aufputsch-Hangover (Aufputsch-Kater) mit dauerhaften Gefühlen von

  Schwäche, Mattheit oder Niedergeschlagenheit sowie Schlafstörungen einstellen.

- Regelmäßiger Ephedrinkonsum kann zu einer psychischen Abhängigkeit führen.

- Bei langanhaltendem Gebrauch kann es zu einer Beeinträchtigung der Gedächt-

  nisleistung und Konzentrationsfähigkeit kommen. Zudem können sich Gereiztheit,

  Nervosität, aggressives Verhalten und psychische Störungen (z.B. Psychosen

  und/oder Verfolgungswahn) einstellen. Hinzu können schlechte Zähne, chroni-

  scher Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und Leber-/Nierenschäden kom-

  men.

- Der Konsum von Ephedrin kann zu einem fälschlich positiven Nachweis von Am-

  phetamin (Speed) führen.

- Das Führen eines Fahrzeuges unter dem Einfluß gleich welchem Rauschmittels ist

  grundsätzlich gefährlich und kann – auch wenn dies nicht dem BtMG unterliegt –

  bei Auffälligkeiten im Fahrverhalten oder anderen Ausfallerscheinungen nach

  § 316 StGB (Trunkenheit im Verkehr) mit dem Entzug der Fahrerlaubnis bestraft

  werden.

 

 

Safer Use:

- Da – wie bei allen Naturprodukten – der Wirkstoffgehalt stark schwanken kann,

  sollte bei pflanzlichem Material (z.B. Tee) stets vorsichtig dosiert werden! Auch bei

  nicht-pflanzlichen Produkten sollte man nach jedem Kauf zunächst vorsichtig do-

  sieren, um die Wirkung auf den eigenen Körper abschätzen zu können.

- Vermeide Mischkonsum:

  - In Kombination mit Alkohol kann die Wirkung von Alkohol aufgrund der leistungs-

    steigernden Wirkung des Ephedrins nicht mehr korrekt wahrgenommen werden.

    Auch nach erheblichem Alkoholkonsum kann man sich noch nüchtern fühlen

    (Pseudonüchternheit). Zudem wirkt der gleichzeitige Konsum von Ephedrin und

    Alkohol stark entwässernd und stellt beim Abbau eine erhebliche Belastung für

    die Leber und Nieren dar.

  - In Kombination mit Coffein können sich die Nebenwirkungen verstärken.

  - In Kombination mit Halluzinogenen wie z.B. LSD oder psychoaktiven Pilzen kann

    sich die halluzinogene Wirkung verstärken, was zu "Horror-Trips" führen kann.

  - In Kombination mit anderen sympathomimetisch wirkenden Rauschmitteln wie

    z.B. Amphetamin (Speed), MDMA (Ecstasy), Methamphetamin (Crystal), Meth-

    cathinon (CAT) oder Kokain sowie mit therapeutisch eingenommenen Sympatho-

    mimetika oder bestimmten Betablockern kann es zu einer starken Erhöhung der

    Dopamin-Konzentration im Gehirn kommen. Hierdurch können starke Beeinträch-

    tigungen in der Atmung und erhebliche Belastungen des Herz-/Kreislaufsystems

    auftreten, was u.a. zu Herzkrämpfen (Coronarspasmen) führen kann. In Kombi-

    nation mit Kokain kann es zu einem erheblichen Anstieg des Blutdrucks kommen.

    Derartige Kombinationen können im Extremfall tödlich enden!

  - In Kombination mit MAO-Hemmern kann die Wirkung von Ephedrin und Pseudo-

    ephedrin unkontrollierbar verlängert und verstärkt werden. Dies stellt für das

    Herz-/Kreislaufsystem eine erhebliche Belastung dar. Zudem kann es im Körper

    zu einem Serotoninüberschuß kommen, der ein lebensbedrohliches Serotonin-

    syndrom auslösen kann.

- Trinke ausreichend antialkoholische und coffeinfreie Getränke, da Ephedrin stark

  entwässernd wirkt.

- Halte längere Konsumpausen ein, um das Risiko von Langzeitschäden zu min-

  dern.

- Personen mit Herz-/Kreislaufproblemen oder -erkrankungen, Leberschäden, Nie-

  renschäden oder einer Störung der Schilddrüsenfunktion sollten Ephedra oder

  Ephedrin nicht konsumieren!

- Im Notfall den europaweit gültigen Notruf (Nummer: 112) anrufen. Schildere am

  Telefon nur die Symptome und kläre den Rettungsdienst oder Notarzt vor Ort über

  die konsumierten Substanzen auf. Sie unterliegen der Schweigepflicht!

  Informationen zur Ersten Hilfe bei Drogennotfällen findest Du hier.

 

 

Letzte Änderungen: 31.03.2017

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Artikel und Studien zu Ephedra und Ephedrin

 

Meerträubel (Wikipedia)

 

Ephedrin (Wikipedia)

 

Ephedrin (iNutro)

Ephedrin als Nahrungsergänzungsmittel.

 

 

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