eve&rave Münster e.V.
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Psychoaktive Pilze

 

Sammelbegriff für verschiedene Pilze und Inhaltsstoffe

 

 

Chemische Bezeichnungen (IUPAC):

Psilocybin: 3-[2-(Dimethylamino)ethyl]-1H-indol-4-yldihydrogenphosphat

Psilocin: 3-[2-(Dimethylamino)ethyl]-1H-indol-4-ol

Ibotensäure: Amino(3-oxo-2,3-dihydro-1,2-oxazol-5-yl)essigsäure

Muscimol: 5-(Aminomethyl)-1,2-oxazol-3(2H)-on

 

 

Andere Bezeichnungen:

Psilocybin: Indocybin, CY-39, (...)

Psilocin: 4-Hydroxy-N,N-dimethyltryptamin, 4-OH-DMT, CX-59, (...)

Ibotensäure: (S)-α-Amino-3-hydroxy-5-isoxazolessigsäure, (...)

Muscimol: 5-Aminomethyl-isoxazol-3-ol, 3-Hydroxy-5-aminomethyl-isoxazol, Agarin,

                 Pantherin, (...)

 

 

Handelsnamen:

(keine)

 

 

Vorkommen der Wirkstoffe in der Natur:

 

Psilocybin- und psilocinhaltige Pilze:

Blauender Düngerling oder auch "Hawaiianer" (Panaeolus cyanescens), Kubanischer Kahlkopf (Psilocybe cubensis),

Mexikanischer Kahlkopf, "Mexikaner" oder auch Teonanacatl (Psilocybe mexicana),

Spitzkegeliger Kahlkopf (Psilocybe semilanceata), (...)

 

Ibotensäurehaltige Pilze (mit Muscimol):

Fliegenpilz (Amanita muscaria)

Königs-Fliegenpilz oder Brauner Fliegenpilz (Amanita regalis)

Pantherpilz (Amanita pantherina)

 

 

Szenetypische Bezeichnungen für psilocybin- und psilocinhaltige Pilze:
Psilos, Magic Mushrooms, Zauberpilze, (...)

 

 

Weltweit sind derzeit 216 verschiedene psychoaktive Pilzarten bekannt, die sich be- züglich ihrer psychoaktiven Inhaltsstoffe in drei Gruppen und eine noch nicht näher bestimmte vierte Gruppe einteilen lassen. Einige dieser Pilze wurden womöglich schon seit Anbeginn der Menschheit, spätestens jedoch seit dem Auftreten der er- sten Kulturen rituell genutzt. Die frühesten Hinweise datieren auf ca. 5000 v. Chr. und stammen aus Algerien.

Mit 186 Arten sind die psylocybin- und psilocinhaltingen Pilze die größte Gruppe in- nerhalb der psychoaktiven Pilze. Sie werden auch Zauberpilze, Magic Mushrooms oder Psilos genannt. Von diesen 186 Arten zählen 116 Arten zur Gattung Psilocybe (Kahlköpfe), 14 zur Gattungen Gymnopilus (Flämmlinge), 13 zur Gattung Panaeolus (Düngerlinge), 12 zur Gattung Copelandia, jeweils sechs zu den Gattungen Hypho- loma (Schwefelköpfe), Inocybe (Rißpilze) und Pluteus (Dachpilze), jeweils vier zu den Gattungen Conocybe (Samthäubchen) und Paneolina (Mistpilzartige), zwei zur Gattung Gerronema (Nabeltrichterchen) und jeweils einer zu den Gattungen Agro- cybe (Ackerlinge), Galerina (Häublinge) und Mycena (Helmlinge). Aus dieser Grup- pe ist in Deutschland und den angrenzenden Ländern der Spitzkegelige Kahlkopf (Psilocybe semilanceata) auf Viehweiden, der Blauende Kahlkopf (Psilocybe cya- nescens) auf verrottendem Holz und der Grüngraue Dachpilz (Pluteus salicinus) auf totem Laubholz zu finden. Der psychotrope Wirkstoff ist bei diesen Pilzen das Psi- locin, welches entweder in den Pilzen selbst vorkommt oder im Körper aus Psilo- cybin gebildet wird.

Die zweite Gruppe bilden die ibotensäurehaltigen Pilze, die die – wenn überhaupt – nur schwach psychoaktive Ibotensäure enthalten. Die Ibotensäure wandelt sich je- doch bei der Lagerung, Trocknung oder im Körper selbst zu dem sehr viel stärkeren aber besser verträglichen Halluzinogen Muscimol um. Von diesen Pilzen gibt es drei Arten aus der Gattung Amanita (Wulstlinge). Diese wären der Fliegenpilz (Amanita muscaria) der Königs-Fliegenpilz oder Braune Fliegenpilz (Amanita regalis) und der Pantherpilz (Amanita pantherina), die alle drei in Deutschland zu finden sind. Im Fliegen- und Pantherpilz wurden außerdem geringe Mengen des ebenfalls halluzi- nogen wirkenden Bufotenins nachgewiesen. Alle drei Pilze sind giftig! Der Konsum größerer Mengen kann lebensgefährlich sein, zumal der Wirkstoffgehalt um den Faktor 5 schwanken kann!

Zur dritten Gruppe zählen sieben Arten der Gattung Claviceps (Mutterkornpilze), in denen diverse Mutterkornalkaloide enthalten sind und aus denen u.a. das LSD syn- thetisiert wird.
Die letzte Gruppe bilden 20 noch nicht näher untersuchte Arten, die möglicherweise noch weitere psychoaktive Substanzen enthalten könnten.
Allen psychoaktiven Pilzen gemein ist eine halluzinogene und/oder psychedelische Wirkung.

 

Seit dem 25.02.1967 unterliegen Psilocybin und Psilocin dem Opiumgesetz (später BtMG, Anlage I: Nicht verkehrsfähige und nicht verschreibungsfähige Betäubungs-mittel). Anbau/Herstellung, Einfuhr, Erwerb, Besitz und Weitergabe/Handel sind strafbar!

Beim Eigengebrauch von selbst gesammelten psychoaktiven Pilzen wird häufig von einer Strafverfolgung abgesehen, wenngleich auch der Besitz (usw.) von einheimi- schen Arten prinzipiell verboten ist.

 

Ibotensäure und Muscimol unterliegen nicht dem BtMG. Sie unterliegen aber dem Arzneimittelgesetz (AMG). Die Herstellung und der Verkauf sind somit ohne Geneh-

migung strafbar, sobald die Substanzen für den Konsum bzw. Gebrauch an Mensch oder Tier bestimmt sind.

 

 

Die folgenden Informationen beschränken sich auf die psilocybin- und psilocinhalti- gen Pilze, beschreiben jedoch auch einige Wirkungen und Gefahren der ibotenhal- tigen Pilze. Aber Vorsicht: beim Konsum von Fliegen- oder Pantherpilzen besteht aufgrund ihrer Giftigkeit Lebensgefahr! Mutterkornpilze werden hier nicht behandelt (siehe LSD).

 


Merkmale:
- Frische oder getrocknete Pilze oder Trüffel mit sehr unangenehmem Geschmack.
- Es gibt verschiedene Arten, die sich in Ihrer Wirkung unterscheiden. Die zwei ge-
  bräuchlichsten Pilze sind:
  - Der Spitzkegelige Kahlkopf (Psilocybe semilanceata), der auch in Deutschland
    wächst.
  - Der Kubanische Kahlkopf (Psilocybe cubensis; ältere Bezeichnung Stropharia
    cubensis
), der häufig in niederländischen Smartshops angeboten wird.
- Psilocybinhaltige Pilze sind meist bräunlich mit dünnem Stiel und kleinem, spitzem
  Hut.
- Der Kubanische Kahlkopf ist gelb-bräunlich (manchmal mit bläulichen Stellen) mit
  massivem Stiel. Der Hut ist je nach Alter kegel- bis tellerförmig.
- Aussehen, Wirkstoffgehalt und Preis unterscheiden sich nach Herkunft, Alter und
  Anbauweise.
- Psilocybin ist auch als synthetisch hergestelltes, weißes Pulver erhältlich.

 


Gebrauch:
- Pilze werden meist gegessen oder in Form eines Teeaufgusses getrunken. Sie
  können aber auch zermalen und dann in Kapseln verpackt geschluckt oder auch
  geraucht (verringerte Wirkung) werden.
- Eine übliche Dosis beträgt ca. 0,5 – 2 g getrocknete Pilze oder die zehnfache

  Menge bei frischen Pilzen. Dies entspricht in etwa 1 mg Psilocybin pro 0,1 g ge-
  trockneter bzw. 1 g frischer Pilze. Der Wirkstoffgehalt kann jedoch – wie bei allen
  Naturprodukten – stark schwanken und ist auch von Art zu Art unterschiedlich.
  Die vermutete tödliche Dosis liegt deutlich über diesen Mengen bei 20.000 mg.

 


Wirkung:
- Die Wirkung hängt stark von der Dosis, der Konsumform, der persönlichen Verfas-
  sung und der Umgebung ab. Grundsätzlich sind bei verschiedenen Dosierungen

  folgende Wirkungen zu erwarten:
  - Geringe Dosen wirken anregend.
  - Mittlere Dosen wirken leicht psychedelisch, halluzinogen und/oder phantasiean-
    regend.
  - Hohe Dosen wirken stark psychedelisch und halluzinogen (bis hin zum völligen
    Realitätsverlust). Die Umwelt kann wie im Traum und sehr fremdartig erscheinen.
    Das Gefühl einer starken Naturverbundenheit und/oder "Innensicht" kann auftre-
    ten. Im schlimmsten Fall sind Orientierungslosigkeit, Verwirrung, Angst- und Pa-

    nikattacken aufgrund der allgemeinen Reizüberflutung möglich.
- Erste optische, akustische, olfaktorische, taktile und raum-zeitliche Veränderungen
  treten nach ca. 30 – 60 Minuten auf. Es sinkt der Blutdruck, die Pupillen weiten
  sich und es treten Gefühlsveränderungen (z.B. Glücks- und Angstgefühle, An-
  triebssteigerung, sexuelles Verlangen, verändertes Kommunikationsverhalten) und
  eine veränderte Selbstwahrnehmung auf. Lach-Flashs sind möglich.
- Es können Atembeschwerden, Herzrasen, Schweißausbrüche und Übelkeit (natür-

  liche Abwehr des Körpers auf Gifte) sowie Gleichgewichts- und Orientierungsstö-

  rungen auftreten.
- Die maximale Wirkung wird nach ca. 2 Stunden erreicht. Die Wirkung hält ca. 3 – 6
  Stunden an.
- Im Vergleich zu LSD, ist ein Trip auf Pilzen kürzer, weniger intensiv und die mög-
  lichen Stimmungsschwankungen sind weniger ausgeprägt. Das Runterkommen
  geht schneller, ist sanfter und endet nicht selten mit dem Einschlafen. Trotzdem
  können Nachwirkungen noch Tage später auftreten. "Flashbacks" sind jedoch eher
  selten.

 


Gefahren:
- Bei selbst gesammelten Pilzen besteht die Gefahr einer Pilzvergiftung durch Ver-
  wechslung der Arten. Hebe am besten ein Exemplar auf, damit bei Komplikationen
  die Art bestimmt werden kann, um geeignete medizinische Maßnahmen ergreifen
  zu können.
- Frische Pilze sind nur einen Tag (gekühlt 2 – 3 Tage) haltbar. Durch den Zerset-
  zungsprozeß werden Toxine gebildet, die Übelkeit und Erbrechen verursachen
  können. Auch Schimmelpilzbefall ist nicht unwahrscheinlich.
- Selbst gesammelte Pilze immer gut waschen!
- Gekaufte Pilze sind gelegentlich mit LSD gestreckt.
- Der Wirkstoffgehalt unterliegt – wie bei den meisten Naturprodukten – starken
  Schwankungen und ist immer abhängig von der Art, der Herkunft/Standort und
  dem Alter der Pilze.
- Wie bei allen halluzinogenen Drogen ist der Rauschverlauf schwer vorhersehbar.
  Auch wenn Pilze schwächer wirken als LSD, kann es zu "Horrortrips" (unkontrol-
  lierbaren Angst- und Panikattacken oder Wahnvorstellungen) kommen, die wiede-
  rum zu gefährlichen Kurzschußhandlungen führen können.
- Körperliche Veränderungen wie Krämpfe, Schwindel, Kältegefühl und Herzrasen
  können sehr unangenehm sein, sind aber selten lebensbedrohlich.
- Menschen mit Herz-Kreislauferkrankungen sollten auf den Konsum von Pilzen ver-
  zichten.
- Häufiger Konsum kann zu einer psychischen Abhängigkeit führen. Außerdem tritt
  bei häufigem Konsum schnell ein Gewöhnungseffekt ein (Toleranzentwicklung),
  was zu einer schwächeren Wirkung bei gleicher Dosis führt.
- Bereits der einmalige Konsum von Pilzen kann verborgene psychische Störungen
  zu Tage fördern; körperliche/organische Schädigungen sind jedoch nicht bekannt.
- Das Führen eines Fahrzeugs unter dem Einfluß von psychoaktiven Pilzen ist ge-
  fährlich und wird mit dem Entzug der Fahrerlaubnis bestraft.

 


Safer Use:
- Will man Pilze konsumieren, sollte man die Umgebung und den Zeitpunkt sorgfäl-
  tig wählen:
  - Konsumiere Pilze nur in guter physischer und psychischer Verfassung. Du sol-
    ltest fit und ausgeschlafen sein und keine größeren ungelösten Probleme im Kopf
    mit Dir herumschleppen. Fühlst Du Dich nicht gut/bereit, bist unerfahren oder
    hast psychische Probleme, ist die Gefahr etwas Negatives oder sogar einen
    "Horrortrip" zu erleben deutlich höher. Versuche Dich immer auf etwas Positives

    zu konzentrieren.
  - Konsumiere Pilze nie alleine, sondern immer im Beisein von Freunden und/oder
    anderen vertrauenswürdigen, erfahrenen Personen, die Dich auf Deiner Reise
    begleiten.
  - Konsumiere Pilze nur in einer angenehmen Umgebung. In der freien Natur bist
    Du auf Deiner Reise am besten aufgehoben (zumindest als Anfänger).
- Vermeide – auch im Beisein von nüchternen Begleitern – potentiell gefährliche
  Orte (Dächer, Klippen, Straßen, tiefe Gewässer, usw.). Es wäre blöd, wenn Du z.B.
  am Rand einer Klippe das Gefühl bekämst, fliegen zu können! Solltest Du doch
  alleine konsumiert haben, kann Dich an solchen Orten auch ein möglicher Orien-
  tierungsverlust in gefährliche Situationen bringen.
- Je höher die Dosierung, desto unkontrollierbarer die Effekte. Dosiere also vor-

  sichtig!
- Vermeide Mischkonsum:
  - Cannabis verstärkt die halluzinogene Wirkung von Pilzen.
  - Alkohol, Amphetamin (Speed), MDMA (Ecstasy), diverse andere Drogen und
    auch Medikamente können in Verbindung mit Pilzen zu unvorhersehbaren
    Rauschzuständen führen.

  - Die Kombination von MAO-Hemmern mit psilocybin- oder psilocinhaltigen Pilzen

    kann gefährlich sein. Hierdurch kann die Wirkung der Pilze unkontrollierbar ver-

    längert und verstärkt werden, was das Herz-/Kreislaufsystem stark belasten

    kann. Zudem kann es im Körper zu einem Serotoninüberschuß kommen, der ein

    lebensbedrohliches Serotoninsyndrom auslösen kann.

- Konsumiere Pilze nur auf leeren Magen. Iß möglichst mehrere Stunden vorher

  nichts oder nur leicht Verdauliches, um Übelkeit und Erbrechen zu vermeiden.
  Ein voller Magen kann den Wirkungseintritt auch erheblich verzögern.
- Solltest Du das Gefühl haben, daß Dein Trip außer Kontrolle gerät, kämpfe NICHT

  dagegen an! Das macht es nur noch schlimmer und einen "Horrortrip" wahrschein-

  licher. Informiere – wenn möglich – Freunde über Deinen Zustand, genieße die

  Reise (Laß Dich fallen!) und nimm Dir anschließend ausreichend Zeit das Erlebte

  zu verarbeiten.
- Wenn jemand nach dem Konsum von Pilzen oder anderen Drogen negative Emo-
  tionen oder Panikattacken erlebt, ist ein "Talking Down" hilfreich. Wirke dabei auf
  die Person beruhigend ein, gib ihr ein Gefühl der Sicherheit und laß sie nicht al-
  lein.
- Halte größere Zeitabstände zwischen dem Konsum ein, um das Erlebte verarbei-
  ten zu können und Gewöhnungseffekten vorzubeugen.

- Im Notfall den europaweit gültigen Notruf (Nummer: 112) anrufen. Schildere am

  Telefon nur die Symptome und kläre den Rettungsdienst oder Notarzt vor Ort über

  die konsumierten Substanzen auf. Sie unterliegen der Schweigepflicht!

  Informationen zur Ersten Hilfe bei Drogennotfällen findest Du hier.

 

 

Letzte Änderungen: 18.03.2017

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