eve&rave Münster e.V.
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Nachtschattengewächse

(Solanaceae)

 

Pflanzenfamilie

 

Chemische Bezeichnungen der psychoaktiven Hauptwirkstoffe (IUPAC):

(S)-Hyoscyamin: (3-endo)-8-Methyl-8-azabicyclo[3.2.1]oct-3-yl-(2S)tropaat

Scopolamin: (1R,2R,4S,5S,7s)-9-Methyl-3-oxa-9-azatricyclo[3.3.1.02,4]non-7-yl-

                     (2S)tropaat

 

Andere Bezeichnungen:

(S)-Hyoscyamin: (S)-Hyoscyamin, (-)-Hyoscyamin, (S)-(-)-Hyoscyamin, L-Hyoscy-

                            amin, (S)-(-)-Atropin, (S)-Atropin, (-)-Atropin, L-Tropin Tropat,

                            (3-Endo)-8-Methyl-8-Azabicyclo[3.2.1]oct-3-yl-(2S)-3-hydroxy-

                            2-phenylpropanoat, 3a-Tropanyl S-(-)-Tropat, Daturin, Peptard,

                            (...)

Scopolamin: Scopolamin, (-)-Scopolamin, Hyoscin, (-)-Hyoscin, 6β,7β-Epoxy-3α-tro-

                     panyl S-(-)-tropat, Levo-Duboisin, (...)

 

Handelsnamen:

Hyoscyamin(-derivate): Acupaz®, Anapaz®, Anaspaz®, Atropen®, Boots Travel

                                      Calm®, Buwecon®, Cystospaz®, Cytospaz®, Donnamar®,

                                      Egazil®, Egacene®, Levbid®, Levsin®, Levsinex®, NuLev®,

                                      (...)

Scopolamin(-derivate): Buscopan®, Boro-Scopol®, Hysco®, Isopto Hyoscine®, Pa-

                                     mine®, Scopoderm®, Scopoderm TTS®, Transderm Scop®,

                                     (...)

 

Vorkommen der Wirkstoffe in der Natur:

(S)-Hyoscyamin (bzw. Atropin) und Scopolamin sind in verschiedenen Nachtschat-tengewächsen (Solanaceae) enthalten. Im westlichen Kulturkreis kamen/kommen zumeist die Gemeine Alraune (Mandragora officinarum), der Gemeine Stechapfel (Datura stramonium), das Schwarze Bilsenkraut (Hyoscyamus niger) und die Schwarze Tollkirsche (Atropa belladonna) als Rauschmittel (auch Nachtschatten- oder Hexendrogen genannt) zur Anwendung. Heutzutage werden zusätzlich auch die ursprünglich in Südamerika beheimateten Engelstrompeten (Brugmansia spp.) verwendet.

 

Szenetypische Bezeichnungen:
(keine)

 

Die Familie Nachtschattengewächse (Solanaceae) zählt zur Ordnung der Nachtschattenartigen (Solanales). Sie beinhal- tet grob geschätzt ca. 90 – 100 Gattungen mit ca. 2.700 Ar- ten, wobei die Nachtschatten (Solanum) mit ca. 1.000 – 2.300 Arten die größte Gattung darstellen. Zu den weltweit verbreiteten Nachtschattengewächsen zählen auch viele Nutz- und Zierpflanzen. Aufgrund ihrer Inhaltsstoffe (Alkalo- ide und Steroide) finden einigen von ihnen auch medizinische und rituelle Verwen- dung, wobei diese Inhaltsstoffe in höheren Konzentrationen teilweise sehr giftig sein können. Bereits 0,2 g von bestimmten Pflanzen(-teilen) können u.U. zu Vergiftungs- erscheinungen führen.

Der deutsche Name "Nachtschatten" soll sich sowohl für die Gattung als auch die Familie aus dem Althochdeutschen "nahtscato" bzw. Mittelhochdeutschen "naht- schade" ableiten. Es existieren jedoch mehrere Theorien, was die Bedeutung an- geht. Sie reichen vom Aussehen der schwarzen Beeren oder den Duft der Blüten, die des Nachts Kopfschmerzen (Schaden) verursachen, über die nächtlichen Wachstumsschübe der Pflanzen bis hin zur medizinischen Verwendung. Der latei- nische Name leitet sich vermutlich vom Wort "solari" (trösten, lindern) ab.

Das charakteristische Merkmal dieser Pflanzenfamilie sind im Wesentlichen die fünfzähligen Blüten mit verwachsenen Kelchblättern, teilweise verwachsenen Kron- blättern, fünf Staubblättern und meist zwei miteinander verwachsenen Fruchtblät- tern. Die Früchte der Nachtschattengewächse sind zumeist Beeren oder Kapsel- früchte.

Einige bekannte Vertreter der Nachtschattengewächse sind Nutzpflanzen wie die Aubergine (Solanum melongena), die Kapstachelbeere (Physalis peruviana), die Kartoffel (Solanum tuberosum), der Paprika bzw. Peperoni oder Chili (Capsicum spp.), der Tabak (Nicotiana) u.a. mit dem Virginischen Tabak (Nicotiana tabacum) und dem Bauern-Tabak (Nicotiana rustica), die Tamarillo (Solanum betaceum) und die Tomate (Solanum lycopersicum). Einige Pflanzen finden auch nur regionale Ver- wendung, wie z.B. die Früchte von Jaltomata spp., Lycianthes asariflora und Lycian- thes moziniana. Aus Cestrum tinctorium wurde eine nahezu unzerstörbare Tinte hergestellt, welche in Caracas (Venezuela) zur Ausfertigung offizieller Dokumente verwendet wurde.

Als Zierpflanzen sind u.a. einige Bocksdorne (Lycium spp.), Browallia americana, Browallia speciosa, die Engelstrompeten (Brugmansia spp.), die Giftbeere (Nican- dra physalodes), einige Hammersträucher (Cestrum spp.), der Kartoffelbaum (Ly- cianthes rantonnetii), der Korallenstrauch (Solanum pseudocapsicum), die Kuheu- terpflanze (Solanum mammosum), die Lampionblume (Physalis alkekengi), die Pe- tunien (Petunia) u.a. mit der Garten-Petunie (Petunia × hybrida), Salpichroa origa- nifolia, Solandra grandiflora, Solandra longiflora, Solandra maxima, einige Spaltblu- men (Schizanthus spp.), Streptosolen jamesonii und die Trompetenzunge (Salpi- glossis sinuata) bekannt.

Andere Vertreter dieser Pflanzenfamilie werden in verschiedenen Erdteilen als tra- ditionelle Medizin und/oder rituelle Rauschmittel verwendet. Hierzu zählen z.B. die Alraunen (Mandragora spp.), der Baum der Zauberer (Latua pubiflora), die Bilsen- kräuter (Hyoscyamus spp.), Duboisia spp., die Engelstrompeten (Brugmansia spp.), Fabiana imbricata, die Goldkelche (Solandra spp.), die Schlafbeere (Withania somnifera), die Stechäpfel (Datura spp.), die Tollkirschen (Atropa spp.), die Tollkräu- ter (Scopolia spp.) und Vestia foetida.

Im westlichen Kulturkreis kamen/kommen zumeist die Gemeine Alraune (Mandra- gora officinarum), der Gemeine Stechapfel (Datura stramonium), das Schwarze Bil- senkraut (Hyoscyamus niger) und die Schwarze Tollkirsche (Atropa belladonna) als Rauschmittel (auch Nachtschatten- oder Hexendrogen genannt) zur Anwendung. Heutzutage werden zusätzlich auch die ursprünglich in Südamerika beheimateten Engelstrompeten (Brugmansia spp.) verwendet. Die psychoaktiven, halluzinogen wirkenden Inhaltstoffe dieser Pflanzen sind primär die sehr giftigen Tropan-Alkaloide (S)-Hyoscyamin (abgeleitet vom Gattungsnamen der Bilsenkräuter, Hyoscyamus) und Scopolamin (abgeleitet vom Gattungsnamen Tollkräuter, Scopolia). Sie kom- men in unterschiedlichen Konzentrationen in allen zuvor genannten Pflanzen vor. Wird aus den Pflanzenteilen ein Extrakt erstellt oder das Pflanzenmaterial getrock- net, bildet sich ein racemisches Gemisch aus (S)-Hyoscyamin und (R)-Hyoscyamin, das als Atropin (abgeleitet vom Gattungsnamen der Tollkirschen, Atropa) bezeich- net wird.

(S)-Hyoscyamin und Atropin wirken stimulierend, euphorisierend, aphrodisierend und halluzinogen. Sie besitzen eine stimulierende Wirkung auf das zentrale Nerven- system (ZNS), wobei die Wirkung von (S)-Hyoscyamin wesentlich stärker ist. Zu- dem wirken sie insbesondere auf das vegetative Nervensystem. Im peripheren Ner- vensystem (der Verbindung zwischen Gehirn und Körper) wirken sie als kompetitive Antagonisten an den muskarinischen Acetylcholinrezeptoren und hierdurch hem- mend/lähmend (Hemmung des Neurotransmitters Acetylcholin im parasympathi- schen Nervensystem; also ein Anticholinergikum oder Parasympatholytikum). Das Wirkspektrum der beiden Stoffe umfaßt (extrem) erweiterte Pupillen (Mydriasis), er- höhte Lichtempfindlichkeit (Photophobie), Reizungen der Bindehaut, Lähmung der Augenmuskeln, Trübung der visuellen Wahrnehmung (Akkommodationsstörungen) – insbesondere auf kurze Distanzen  – oder gar vorrübergehende Blindheit, stark erhöhte Herzfrequenz (Tachykardie durch positive Chrono- und Dromotropie) bis hin zu Herzrhythmusstörungen, erhöhte Körpertemperatur, Erschlaffung der glatten Muskulatur (Spasmolyse), Erweiterung der Bronchien (Bronchodilatation), gerötete und trockene Haut, Verringerung der Magensäure-, Schweiß- und Speichel-Sekre- tion (d.h. Trockenheit der Schleimhäute wie z.B. quälende Mundtrockenheit), ver- minderte Magen-Darm-Tätigkeit, Harnverhaltungmotorische Unruhe, Krämpfe, ge- steigerter Rededrang, Bewußtseinsstörungen/-trübungen bis hin zu ungewöhnlich starker Schläfrigkeit, Desorientierung, Stimmungsschwankungen und Angstzustän- de. Bei hohen Dosierungen können sich diese Effekte verstärken/verlängern. So können z.B. die Pupillen über mehrere Tage erweitert und hierdurch die Lichtem- pfindlichkeit langanhaltend bestehen bleiben. Und auch die Sehstörungen können über mehrere Tage anhalten, so daß das Lesen von Schrift in dieser Zeit erheblich erschwert ist. Zudem kann die stimulierende Wirkung von Atropin auf das ZNS zu Raserei und Tobsuchtsanfällen führen. Im schlimmsten Fall ist auch eine Vergiftung mit narkoseartiger Lähmung, gefolgt von Koma und Tod durch Atemlähmung mög- lich. Des weiteren können lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen auftreten, bei denen das Herz so schnell schlägt (bis zu 300-mal in der Minute), daß es nicht mehr in der Lage ist, den ganzen Körper mit Blut zu versorgen. Die psychoaktiv wirksame Dosis von Atropin soll bei ca. 10 mg (oral) und die tödliche Dosis bei min- destens 100 mg liegen. Es sind bereits zahlreiche Todesfälle durch den Konsum atropinhaltiger Pflanzen dokumentiert. Atropin kommt sowohl rituell als auch medizi- nisch seit Jahrhunderten zur Anwendung und wird auch heute noch in beiden Kon- texten verwendet. In der Medizin wurde/wird es u.a. gegen geringe Herztätigkeit (Bradykardie), zur Prämedikation vor Narkosen, gegen Asthma, als Augentropfen (z.B. zur Pupillenweitung bei Augenoperationen) und als Antidot gegen bestimmte Insektizide (z.B. E 600 und E 605), Nervenkampfstoffe (z.B. Sarin und Tabun), Mus- carin- und Pilocarpin-Vergiftungen und Überdosierungen verwendet.

Atropin passiert die Blut-Hirn-Schranke nur schlecht, daher wirkt das wasserunlösli- che Scopolamin bei vergleichbarer Konzentration im ZNS deutlich stärker. Scopola- min wirkt jedoch im Gegensatz zu Atropin dämpfend auf das ZNS. Seine Wirkme- chanismen und Wirkungen im peripheren Nervensystem sind Vergleichbar mit den- en des (S)-Hyoscyamins bzw. Atropins (z.B. erweiterte Pupillen, Trübung der visu- ellen Wahrnehmung, stark erhöhte Herzfrequenz, erhöhte Körpertemperatur, verrin- gerte Magensäure-, Schweiß- und Speichel-Sekretion und Harnverhaltung). In nie- drigen Dosen wirkt es leicht beruhigend bis ermüdend, leicht euphorisierend und stark halluzinogen. Es können Juckreiz, Koordinationsstörungen, Bewußtseinstrü- bungen, Konzentrationsstörungen, Gedächtnisstörungen (Paramnesien), Verwirrt- heitszustände und ein traumloser Schlaf auftreten. Zudem wird das Brechzentrum im ZNS gehemmt. Bei höherer Dosierung tritt ein Zustand ein, der einer toxischen Psychose ähnelt. Hier treten alle oben erwähnten Effekte sehr dominant hervor und Sedierung, Apathie, Willenlosigkeit, Delirium und weitreichende Amnesie können hinzukommen. Im schlimmsten Fall sind Bewußtlosigkeit und Tod durch Atemläh- mung möglich. Gesteigerte Sinneswahrnehmungen, Bewußtseinserweiterungen oder eine erhöhte Einsicht, wie man sie von LSD und anderen Halluzinogenen kennt, treten bei Scopolamin (und auch Hyoscyamin) nicht auf. In der Medizin findet Scopolamin ähnliche Anwendungen wie Atropin. So wird es in Augentropfen zur Pu- pillenerweiterung, gegen Brechreiz (z.B. Reisekrankheit) und bei im Sterben liegen- den Menschen zur Speichelreduktion bzw. verbesserten Atmung eingesetzt. Bis in die 1970er-Jahre waren scopolaminhaltige Zigaretten zur Asthmabehandlung in Apotheken erhältlich. Die psychoaktiv wirksame Dosis von Scopolamin soll bei maximal 5 mg und die tödliche Dosis bei ca. 80 mg liegen. Ein Gegenmittel für (S)- Hyoscyamin, Atropin und Scopolamin ist Physostigminsalicylat (Anticholium).

 

Bereits die antiken Kulturen der Araber, Griechen, Hebräer und Römer verwendeten Nachtschattengewächse als Rauschmittel, wobei die rituelle und auch medizinische Verwendung dieser Pflanzen bei einigen Naturvölkern vermutlich zeitlich noch deut- lich weiter zurückreicht.

In den 1990er-Jahren war ein erneuter Anstieg beim Konsum von Nachtschatten- drogen zu beobachten, jedoch machen die Nebenwirkungen wie Bewußtseinstrü- bung, Kontrollverlust und die häufig fehlenden Erinnerungen an den Rausch diese Pflanzen für die meisten Rauschsuchenden nur wenig attraktiv.

 

Berauschende Nachtschattengewächse und deren Inhaltsstoffe unterliegen nicht dem BtMG. Diverse Inhaltsstoffe unterliegen aber dem AMG. So sind hyoscyamin-, atropin- und scopolaminhaltige Medikamente verschreibungspflichtig. Der Besitz von Nachtschattengewächsen ist legal. (Stand: Mai 2015)

 

Die folgenden Beschreibungen beziehen sich nur auf hyoscyamin- (bzw. atro- pin-) und scopolaminhaltige Nachtschattengewächse.

 

Merkmale (allgemein):

- Frisches oder getrocknetes Pflanzenmaterial (meist Blätter, Blüten, Samen oder

  Früchte).

 

 

Gebrauch (allgemein):

- Das Pflanzenmaterial kann im frischen oder getrockneten Zustand gegessen oder

  als Tee oder zu einem Sud gepreßt getrunken werden. Auch in Form von Salben

  ist es verwendbar (Resorption über die Haut). Getrocknet kann es geraucht wer-

  den.

- Die Dosierung ist aufgrund von erheblichen Konzentrationsschwankungen im

  Wirkstoffgehalt (innerhalb einer Pflanzenart) sehr schwierig. Bereits 0,2 g von be-

  stimmten Pflanzen(-teilen) können u.U. zu Vergiftungserscheinungen führen.

- Die oral wirksame Dosis von Atropin soll bei ca. 10 mg liegen; die tödliche Dosis

  bei mindestens 100 mg. Für Scopolamin sollen die Dosen bei maximal 5 mg bzw.

  bei ca. 80 mg liegen.

 

 

Wirkung (allgemein):

- Die Wirkung tritt bei oraler Einnahme nach ca. 30 – 45 Minuten ein und hält ab-

  hängig von der Dosis und der Konsumform ca. 5 Stunden bis zu mehreren Tagen

  (!) an.

- Die Art der Wirkung hängt stark von der Pflanzenart, der Dosis, der Konsumform

  und den Rahmenbedingungen (dem Setting) ab.

- Die Wirkung kann bereits in geringen Dosen stimulierend (oder im Fall von Scopo-

  lamin auch leicht beruhigend, ermüdend bis leicht narkotisierend), euphorisierend,

  aphrodisierend und (stark) halluzinogen sein und mit zunehmender Dosis von Be-

  wußtseinstrübungen über Wahrnehmungsverzerrungen bis hin zum totalen Reali-

  tätsverlust reichen. Halluzinationen werden im Gegensatz zu den meisten anderen

  Halluzinogenen als äußerst real wahrgenommen. So kann es passieren, daß man

  im Rausch mit Personen spricht, die gar nicht da sind. Auch das Telefonieren mit

  Personen – obwohl das Telefon aus ist – ist nichts Ungewöhnliches. Zudem kön-

  nen auch Gegenstände erscheinen, mit denen interagiert wird (z.B. imaginäre Glä-

  ser, aus denen dann auch "getrunken" wird). Die Redseligkeit steigt. Gesteigerte

  Sinneswahrnehmungen, Bewußtseinserweiterungen oder eine erhöhte Einsicht,

  wie man sie von LSD und anderen Halluzinogenen kennt, treten nicht auf.

- Bei geringer bis mittlerer Dosis können die folgenden Symptome auftreten:

  (Extrem) erweiterte Pupillen (Mydriasis), erhöhte Lichtempfindlichkeit (Photopho-

  bie), Reizungen der Bindehaut, Lähmung der Augenmuskeln, Trübung der visuel-

  len Wahrnehmung (Akkommodationsstörungen) – insbesondere auf kurze Distan-

  zen  – oder gar vorrübergehende Blindheit, stark erhöhte Herzfrequenz (Tachykar-

  die durch positive Chrono- und Dromotropie) bis hin zu Herzrhythmusstörungen,

  erhöhte Körpertemperatur, Erschlaffung der glatten Muskulatur (Spasmolyse), Er-

  weiterung der Bronchien (Bronchodilatation), gerötete und trockene Haut, ein

  leichtes Kribbeln der Haut, Juckreiz, Verringerung der Magensäure-, Schweiß- und

  Speichel-Sekretion (d.h. Trockenheit der Schleimhäute wie z.B. quälende Mund-

  trockenheit), verminderte Magen-Darm-Tätigkeit, Harnverhaltung, verminderter

  Brechreiz, motorische Unruhe, Krämpfe, Koordinationsstörungen, Konzentrations-

  störungen, Gedächtnisstörungen (Paramnesien), Verwirrtheitszustände, Bewußt-

  seinsstörungen/-trübungen (mit Schwindel und Taumeln) bis hin zu ungewöhnlich

  starker Schläfrigkeit, Desorientierung, Stimmungsschwankungen und Angstzustän-

  de.

- Bei hohen Dosierungen können sich die obigen Effekte verstärken/verlängern. So

  können z.B. die Pupillen über mehrere Tage erweitert und hierdurch die Lichtem-

  pfindlichkeit langanhaltend bestehen bleiben. Und auch die Sehstörungen können

  über mehrere Tage anhalten, so daß das Lesen von Schrift in dieser Zeit erheblich

  erschwert ist, was zuweilen Panik verursachen kann. Es können Atemprobleme,

  Sedierung, Apathie, Willenlosigkeit, Delirium und weitreichende Amnesie (Erinne-

  rungslücken) auftreten. Zudem kann ein Zustand eintreten, der einer toxischen

  Psychose ähnelt, wobei Raserei und Tobsuchtsanfällen auftreten können.

  Vorsicht! Treten diese Symptome auf, bewegt man sich in einem gefährli-

  chen Dosisbereich!

- Häufig tritt nach dem Rausch ein traumloser Schlaf auf. Bei hohen Dosen bleibt

  zumeist kaum eine Erinnerung an das Erlebte zurück.

 

 

Gefahren (allgemein):

- Langzeitrisiken und Wechselwirkungen mit anderen Substanzen sind kaum erfor-

  scht. Die starke, teilweise sehr unangenehme Wirkung von Nachtschattengewäch-

  sen läßt jedoch vermuten, daß ein regelmäßiger oder langanhaltender Gebrauch

  dieser Rauschmittel eher die Ausnahme sein wird.

- Der Wirkstoffgehalt von Nachtschattengewächsen kann stark schwanken und der

  Grat zwischen einer wirksamen Dosis und einer tödlichen Überdosis (Vergiftung)

  ist sehr schmal. Es sind bereits zahlreiche Todesfälle durch den Konsum von

  Nachtschattengewächsen dokumentiert! Bei einer Überdosis können die folgenden

  lebensbedrohlichen Effekte auftreten:

  - Es kann zu einer Vergiftung mit narkoseartiger Lähmung, gefolgt von Koma und

    Tod durch Atemlähmung kommen.

  - Es können lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen auftreten, bei den das

    Herz so schnell schlägt (bis zu 300-mal in der Minute), daß es nicht mehr in der

    Lage ist, den ganzen Körper mit Blut zu versorgen.

  - Erbricht man sich im bewußtlosen Zustand kann man am eigenen Erbrochenen

    ersticken.

- Wie bei allen Halluzinogenen kann bereits der einmalige Konsum latente (verbor-

  gene) Psychosen hervortreten lassen.

- Das Führen eines Fahrzeuges unter dem Einfluß gleich welchem Rauschmittels ist

  grundsätzlich gefährlich und kann – auch wenn dies nicht dem BtMG unterliegt –

  bei Auffälligkeiten im Fahrverhalten oder anderen Ausfallerscheinungen nach

  § 316 StGB (Trunkenheit im Verkehr) mit dem Entzug der Fahrerlaubnis bestraft

  werden.

 

 

Safer Use (allgemein):

- Will man Nachtschattengewächse konsumieren, sollte man die Umgebung und

  den Zeitpunkt sorgfältig wählen:
  - Konsumiere sie nur in guter physischer und psychischer Verfassung. Du solltest

    fit und ausgeschlafen sein und keine größeren ungelösten Probleme im Kopf mit

    Dir herumschleppen. Fühlst Du Dich nicht gut/bereit, bist unerfahren oder hast

    psychische Probleme, ist die Gefahr etwas Negatives oder sogar einen "Horror-

    trip" zu erleben deutlich höher. Versuche Dich immer auf etwas Positives zu kon-

    zentrieren.

  - Nachtschattengewächse sollten niemals allein konsumiert werden. Es sollte im-

    mer ein nüchterner Begleiter anwesend sein, der über die möglichen Gefahren

    informiert ist und bei Komplikationen Hilfe holen/leisten kann.

  - Konsumiere Nachtschattengewächse nur in einer für Dich angenehmen Umge-

    bung.

- Vermeide – auch im Beisein von nüchternen Begleitern – potentiell gefährliche
  Orte (Dächer, Klippen, Straßen, tiefe Gewässer, usw.).

- Wenn Du keine Erfahrung im Umgang mit Nachtschattengewächsen hast, laß die

  Finger davon oder suche Dir eine erfahrene Person, die Dir bei der Dosierung hilft.

- Wie bei allen Naturprodukten kann auch die Wirkstoffkonzentration von Nacht-

  schattengewächsen – u.a. standortabhängig – stark schwanken und variiert auch

  in den verschiedenen Teilen der Pflanzen. Zudem kann die für einen Rausch benö-

  tigte Dosis individuell sehr unterschiedlich sein. Was bei dem einen noch keine

  Wirkung verursacht, kann für den anderen eine tödliche Überdosis sein! Dosiere

  also äußerst vorsichtig! Der Grat zwischen Wirkung und Überdosis ist schmal! Le-

  ge niemals übereilt nach, weil Du keine Wirkung verspürst!

- Die risikoärmste Konsumform ist das Rauchen, da man sich hier vorsichtig mit

  kleinsten Mengen an die wirksame Dosis herantasten kann. Auch der Gebrauch

  von Salben ist recht risikoarm. Bei Salben besteht jedoch das Risiko, daß sich die

  Wirkung (bei unzureichend langen Pausen zwischen dem Auftragen) schnell über

  mehrere Tage aufsummieren kann.

- Vermeide Mischkonsum, da die Wechselwirkungen unkalkulierbar sein können.

  - In Kombination mit aufputschenden Substanze wie Amphetamin (Speed), Meth-

    amphetamin (Crystal) oder auch Coffein kann die herz-/kreislaufstörende Wir-

    kung extrem verstärkt werden. Es besteht die Gefahr eines tödlichen Herz-/Kreis-

    laufversagens!

  - Die Kombination mit Opioiden und Opiaten wie Morphin ist lebensgefährlich, da

    hierdurch die Herzfrequenz erheblich verringert wird!

  - In Kombination mit bestimmten Medikamenten können unvorhersehbare Effekte

    und Wirkungsverstärkungen auftreten, die tödlich enden können.

- Iß vor dem Konsum nur leichte Kost.

- Trinke während des Rausches viel antialkoholische und coffeinfreie Getränke.

- Halte ausreichend lange Konsumpausen ein, um die starken psychischen Ein-

  drücke verarbeiten zu können.

- Personen mit psychischen Vorerkrankungen oder Erkrankungen des Herz-/Kreis-

  laufsystems (aber auch anderen organischen Erkrankungen) sollten unbedingt auf

  den Konsum von Nachtschattengewächsen verzichten!

- Wenn jemand auf Nachtschattengewächsen negative Emotionen oder Panik er-

  lebt, ist ein "Talking Down", hilfreich, d.h. auf die Person beruhigend einwirken (Re-

  den, laute Musik ausschalten bzw. laute Orte verlassen), ein Gefühl der Sicherheit

  vermitteln (z.B. durch Körperkontakt) und sie nicht alleine lassen.

- Treten Tobsuchtsanfälle oder Symptome einer Atemlähmung (blaue Lippen und/

  oder unregelmäßige, schwere Atmung) auf, besteht Handlungsbedarf! Rufe den

  Rettungsdienst über den europaweit gültigen Notruf (Nummer: 112). Schildere am

  Telefon nur die Symptome und kläre den Rettungsdienst oder Notarzt vor Ort über

  die konsumierten Substanzen auf. Sie unterliegen der Schweigepflicht!

  Informationen zur Ersten Hilfe bei Drogennotfällen findest Du hier.

 

 

Letzte Änderungen: 03.11.2015

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